Stapellauf für ein neues Zeitalter


Die sich stetig wandelnde Gesundheitslandschaft setzt nebst innovativen Versorgungsmodellen auch neue architektonische und organisatorische Massstäbe voraus. Das Kantonsspital Baden rüstet sich für die Zukunft und stellt neue Weichen in Form eines kostspieligen Neubaus.



Nathalie Zeindler

Entweder du machst Dich zu einem Instrument des Wandels – oder du wirst von ihm überrollt.» Dieses Zitat des amerikanischen Topmanagers John Sculley dürfte sich die Direktion des Kantonsspitals Baden AG zu Herzen genommen haben, als diese erstmals einen baulichen Evolutionsschritt in Erwägung zog, welcher mit Investitionen in der Höhe von 450 Millionen Franken verbunden sein wird. Das Kantonsspital Baden (KSB) befasst sich allerdings bereits seit 2002 mit entsprechenden Erneuerungen. Unlängst wurde der fünfgeschossige Neubau, ein Kubus mit quadratischer Rundfläche und Lichthof, errichtet, um den steigenden Bedarf an ambulanten medizinischen Leistungen möglichst zeitnah anbieten zu können.

Doch damit nicht genug: Der seit den 70er-Jahren bestehende Altbau hätte zwar mit einer umfassenden Sanierung in baulicher und medizintechnischer Hinsicht durchaus erneuert werden können, dies allerdings ohne die alten Strukturen zu verändern. Auch wären die Kosten ebenso hoch ausgefallen wie jene eines Neubaus, und nicht zuletzt hätte der laufende Spitalbetrieb während der Renovationszeit mit entsprechenden Behinderungen rechnen müssen. «Deshalb haben wir uns für ein neues Gebäude mit volumetrischem Charakter entschieden, das 2021 bezugsbereit sein soll. Nach Bezug des Neubaus wird das alte KSB rückgebaut», sagt CEO Adrian Schmitter. Das deutsche Architekturbüro Nickl und Partner mit Zweigniederlassung in Zürich hat den Planungswettbewerb gewonnen und wird das ehrgeizige Projektgebäude der Zukunft mit Namen «Agnes», benannt nach der Königin von Ungarn, die 1349 der Stadt Baden ein Spital schenkte, umsetzen.

Effizienzpotenzial nutzen

Besagte Veränderungen scheinen notwendig zu sein, da einerseits der ambulante Sektor weiterhin an Bedeutung gewinnt und andererseits der finanzielle Druck im stationären Bereich weiter steigt. Um in diesem regulierten Markt langfristig überleben zu können, ist eine Verschlankung der Abläufe und Prozesse offensichtlich unabdingbar. In diesem Zusammenhang fällt das Stichwort «Lean Management», ein wichtiger Pfeiler, was die Neuausrichtung des Kantonsspitals Baden betrifft. Diese Geschäftsstrategie, die ursprünglich aus der Autoindustrie stammt, stellt den Kunden in den Mittelpunkt, dessen Bedürfnisse sich laufend verändern. «Während beispielsweise Vierbettenzimmer vor 20 Jahren nahezu zur Normalität gehörten, stossen diese heutzutage kaum sehr auf Akzeptanz. Auch sich auf dem Flur befindende Nasszellen entsprechen nicht mehr dem heutigen Komfort, und diese Anpassungen gilt es im Neubau zu berücksichtigen», so Adrian Schmitter. Die neu gestalteten Zimmer sollen natürlich belüftet sein, und das Kälte- und Wärmemanagement wird überdies mit einem regionalen Energielieferanten gelöst. Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob sich ein Spital solch hohe Investitionen leisten kann in einer Zeit des zunehmenden Konkurrenz- und Spardrucks. Hinzu kommt, dass allgemeinversicherte Patienten keinen finanziellen Gewinn einbringen. Das Kantonsspital Baden richte sich nicht hauptsächlich auf Zusatzversicherte aus. Vielmehr würden die Privatpatienten zusätzliche finanzielle Möglichkeiten bieten, um entsprechende Investitionen tätigen zu können, meint der KSB-CEO.



Investitionen auf Kapitalmarkt beschaffen
Das Kantonsspital Baden braucht sich in finanzieller Hinsicht keine grossen Sorgen zu machen, denn die jährlich zur Verfügung stehenden Investitionssummen betragen durchschnittlich knapp 40 Millionen Franken. Trotzdem dürfte es nichts Gefährlicheres geben als ein ineffizientes Bauvorhaben.

Der Vorteil besteht mitunter auch darin, dass die Baufläche auf dem Gelände bereits besteht und kein zusätzlicher Platz notwendig ist, wodurch einige Komplikationen wegfallen. Nebst zahlreichen Neuerungen wie eHealth und Digitalisierung dürfte es indes schwierig sein, das Personal an die künftigen Herausforderungen heranzuführen, weil der ungewisse Blick in die Zukunft nicht selten auch mit Unsicherheiten verbunden ist. Ausführliche Bereinigungsgespräche spielen nach Ansicht von Adrian Schmitter deshalb eine zentrale Rolle, damit auch die Ideen des Personals aufgenommen werden können.

Die Entwicklungen zielen in Richtung prozessorientierte Organisation, die sich auf den Patienten und seine Bedürfnisse konzentriert. Das bedeutet auch, dass die gesamten Infrastrukturabläufe verändert werden. «Die einzelnen Funktionen der verschiedenen Berufsgruppen verändern sich in Bezug auf die gesamte Personalstruktur innerhalb eines Teams. Im Bereich der Pflege werden Tätigkeiten wie Hauswirtschaft, Hotellerie, Material- und Medikamentenbewirtschaftung sowie rein administrative Aufgaben konsequent an andere Berufsgruppen ausgelagert. Die Pflegefachpersonen arbeiten nahe am Patienten und verfügen über mehr Zeit für den eigentlichen Kernprozess», ergänzt Yvonne Biri, Leiterin Departement Pflege. Die derzeit laufenden aktuellen Pilotprojekte setzen mehr Verbindlichkeiten voraus als zuvor, da der Tagesablauf gemeinsam mit dem Patienten geplant wird, was laut den Spitalverantwortlichen dazu führt, dass sich dieser mehr eingebunden fühlt und umfassender informiert ist.

Transparenz im Fokus
Das neue sechsstöckige Gebäude soll die notwendigen Voraussetzungen hierfür schaffen, und auch die Zufahrt zum bestehenden Kubus sowie ein eigener Zugang zur Notfallstation werden gewährleistet. Auf drei Stockwerken befinden sich je vier Pflegestationen à maximal 32 Betten. Sämtliche Zimmer liegen an der Aussenfront, und in den lichtdurchfluteten Räumen mit Holzböden und Schreibtischen sind jeweils zwei Betten einander angeordnet. Den Mitarbeitenden stehen ebenfalls helle Räumlichkeiten zur Verfügung, die jedoch meist offen angelegt sind, was als Nachteil gesehen werden könnte.

Yvonne Biri: «Die aus den USA stammende Lean-Methodik bringt auch mit sich, dass wir über keine Stationsbüros mehr verfügen. Die Pflegenden sind mit ihren Wagen und Laptops in den Patientenzimmern unterwegs, die gesamte Pflegedokumentation erfolgt vor Ort und die entsprechenden Daten sind dadurch jederzeit verfügbar.» Stichwort Arbeitsräume: Die offenen Bereiche bieten künftig weniger Privatsphäre und dadurch eventuell mehr Konfliktpotenzial, die Adrian Schmitter aber auch als Chance betrachtet, allfällige Probleme direkt ansprechen und diskutieren zu können.

Der geplante Neubau beweist auch, dass sich die Spitäler immer mehr in Hotels verwandeln. Nicht nur der medizinische Aspekt, sondern auch die gesamte Betreuung sollen im Fokus stehen, und dazu gehören auch Ernährungsfragen sowie Ängste seitens der Patienten im Zusammenhang mit Spitalaufenthalten, die mittels angenehmem Ambiente ein Stück weit aufgefangen werden können. Die Finanzierung des ambitionierten Bauprojekts scheint auch weitgehend gesichert, denn die Gelder werden aus selbst erwirtschafteten Mitteln finanziert. Die Spitaldirektion befindet sich zudem im Gespräch mit Partnern, darunter auch institutionellen Anlegern wie zum Beispiel Pensionskassen.

Adrian Schmitter: «Wer ein Spital bauen will, muss eine Ebitda-Marge von mindestens 10 Prozent vorweisen können, damit ein solches Vorhaben finanzierbar ist. Aber noch müssen wir zeigen, dass wir einen besseren Bau erstellen als das bereits bewährte alte Gebäude. Wenn wir von einem effizienten Spital sprechen, müssen wir auch technologische Entwicklungen berücksichtigen, die auch die Frage beinhalten, welche Rolle die Digitalisierung und der medizinische Fortschritt in Zukunft spielen und inwiefern der bauliche Aspekt davon betroffen ist.»

In kulinarischer Hinsicht denkt die Spitalleitung ausserdem darüber nach, auf den neuen Bettenstationen einige Kleinküchen zu errichten, welche für Privatpatienten spezielle Menüs liefern. Trotz zusätzlichen Angeboten und einem eigenständigen modernen Bau, sollen die drei Spitalgebäude (Kubus, Partnerhaus und Agnes) im Gesamtkonzept erkennbar bleiben, ganz im Sinne einer gesunden Balance zwischen Autonomie und Gemeinsamkeit.



Heime und Spitäler Ausgabe 2 Mai 2017

EVENTS

Techtextil

Internationale Leitmesse für technische Textilien und Vliesstoffe

Datum: 21.-24. April 2026

Ort: Frankfurt am Main (D)

Altenpflegemesse

Leitmesse für die Pflegewirtschaft

Datum: 21.-23. April 2026

Ort: Essen (D)

DMEA

Europas führende Messe für Digital Health

Datum: 21.-23. April 2026

Ort: Berlin (D)

Lebensmitteltag

Führende Schweizer Fachtagung für die Lebensmittelbranche

Datum: 23. April 2026

Ort: Luzern (CH)

PFLEGE PLUS

Fachmesse für den Pflegemarkt

Datum: 5.-7. Mai 2026

Ort: Stuttgart (D)

SBK Kongress

Kongress vom Berufsverband der diplomierten Pflegefachpersonen der Schweiz

Datum: 27.-28. Mai 2026

Ort: Bern (CH)

TUTTOFOOD

Internationale Fachmesse für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie

Datum: 11.-14. Mai 2026

Ort: Mailand (I)

ArbeitsSicherheit Schweiz

Fachmesse für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz

Datum: 20.-21. Mai 2026

Ort: Zürich (CH)

HealthEXPO

Messe für die neuesten Entwicklungen und Trends in der Gesundheitsbranche

Datum: 30. Mai 2026

Ort: Basel (CH)

Careum Pflegesymposium

Plattform für den Wissensaustausch in der Pflegewelt

Datum: 9. Juni 2026

Ort: Aarau (CH)

Vorsorge-Symposium

Fachmesse 2. Säule sowie ein Vorsorge-Symposium

Datum: 10.-11. Juni 2026

Ort: Zürich (CH)

MedTec Summit

Kongress mit technologie- und marktrelevante Themen aus der Medizintechnik- und Gesundheitsbranche

Datum: 15.-18. Juni 2026

Ort: Berlin (D)

E-Healthcare Circle

Konferenz und Plattform für die digitalen Transformation des Gesundheitswesens

Datum: 15.-16. Juni 2026

Ort: Zürich (CH)

GS1 Excellence Days

Konferenz für Innovationen und Lösungen im Bereich der Standardisierung, Identifikation und Geschäftsprozesse

Datum: 18. Juni 2026

Ort: Bern (CH)

Blezinger Healthcare

Fachkonferenz - Das Pflegeheim der Zukunft

Datum: 25.-26. Juni 2026

Ort: Hasliberg (CH)

maintenance Schweiz

Schweizer Fachmesse für industrielle Instandhaltung und Facility Management

Datum: 26.-27. August 2026

Ort: Zürich (CH)

all about automation

Fachmesse für Industrieautomation

Datum: 26.-27. August 2026

Ort: Zürich (CH)

Immohealthcare

Konferenz zum Thema Spitalbau und Betrieb

Datum: 9. September 2026

Ort: Basel (CH)

Careum Führungstagung

Fachveranstaltung zu aktuellen Themen und Trends in Management, Führung und Leadership

Datum: 15. September 2026

Ort: Olten (CH)

SWISS SVG-Trophy

Schweizermeisterschaft der Spital-, Heim-, Gemeinschafts- und Systemgastronomie

Datum: 19. September 2026

Ort: Rothenburg (CH)

Rehacare

Internationale Fachmesse für Rehabilitation, Prävention, Inklusion und Pflege

Datum: 23.-26. September 2026

Ort: Düsseldorf (D)

HR-Forum HealthCare

Austausch über aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen im Personalmanagement im Gesundheitsbereich

Datum: Oktober 2026

Ort: Zürich (CH)

Chillventa

Weltleitmesse der Kältetechnik

Datum: 13.-15. Oktober 2026

Ort: Nürnberg (D)

IFAS

Internationale Fachmesse für den Schweizer Gesundheitssektor

Datum: 20.-22. Oktober 2026

Ort: Zürich (CH)

Kommunikations-Summit

Fachveranstaltung, die sich auf die neuesten Trends, Herausforderungen und Best Practices im Bereich Kommunikation im Gesundheitswesen

Datum: 29. Oktober 2026

Ort: Zürich (CH)

ZAGG

Fachmesse für die Gastronomie- und Hotelleriebranche

Datum: 25.-28. Oktober 2026

Ort: Luzern (CH)

St. Galler Demenz-Kongress

Fachveranstaltung, die sich mit dem Thema Demenz auseinandersetzt

Datum: 11. November 2026

Ort: St.Gallen (CH)

Swiss AgeTech Konferenz

Fachveranstaltung für innovative Technologien für ältere Menschen

Datum: 12. November 2026

Ort: Zürich (CH)

Swiss Nurse Leaders

Kongress im Bereich Leadership und Management in der Pflege

Datum: 20. November 2026

Ort: Bern (CH)

Heimtextil

Weltweit führende Fachmesse für Wohn- und Objekttextilien

Datum: 12.-15. Januar 2027

Ort: Frankfurt am Main (D)

Empack Schweiz

Schweizer Fachmesse für Verpackungslösungen und -technologien

Datum: 27.-28. Januar 2027

Ort: Zürich (CH)

Logistics & Automation

Fachmesse für Intralogistik, Distribution, Transport und E-Logistik in der Schweiz

Datum: 27.-28. Januar 2027

Ort: Zürich (CH)

CHEESEAFFAIR

Nationale Handelstage für Schweizer Käse

Datum: 8.-9. Februar 2027

Ort: Aarau (CH)

Swiss Abilities

Fachmesse zur Förderung eines selbstbestimmten Lebens, Gleichstellung und Teilhabe von Menschen mit Behinderung

Datum: 12.-13. März 2027

Ort: Luzern (CH)

Anuga FoodTec

Internationale Zuliefermesse für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie

Datum: 23.-26. März 2027

Ort: Köln (D)

Control

Internationale Fachmesse für Qualitätssicherung

Datum: 11.-14. Mai 2027

Ort: Stuttgart (D)

CMS Berlin

Internationale Leitmesse für Reinigung und Hygiene

Datum: 21.-24. September 2027

Ort: Berlin (D)

Anuga

Weltweite Ernährungsmesse für Handel und Gastronomie/Ausser-Haus-Markt

Datum: 9.-13. Oktober 2027

Ort: Köln (D)

A + A

Weltleitmesse für sicheres und gesundes Arbeiten

Datum: 19.-22. Okotber 2027

Ort: Düsseldorf (D)

Texcare International

Weltweit führende Fachmesse für die Textilpflegebranche

Datum: 8.-11. November 2028

Ort: Frankfurt am Main (D)

Bezugsquellenverzeichnis