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Kreative Ideen gegen den Fachkräftemangel

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Eine hervorragend besetzte Konferenz der Keller Unternehmensberatung präsentierte Lösungen gegen den Fachkräftemangel.

Gastgeber Simon Keller erläuterte in seiner Keynote «Umgang mit dem Fachkräftemangel» die Rahmenbedingungen der aktuellen Situation. In den nächsten Jahren würden die Babyboomer aus dem Berufsleben ausscheiden und die Quote der Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung abnehmen. Diese Entwicklung sei für alle Branchen eine Herausforderung und für das Gesundheitswesen insbesondere, da der Anteil älterer Personen in der Gesellschaft zunehme und die Berufsausstiegsquoten in Heimen und Spitälern besonders hoch seien. Für den Verbleib des Personals seien durchaus nicht überwiegend finanzielle Anreize ausschlaggebend, sondern vielmehr Leadership, Kultur und flexible Arbeitszeitmodelle. Daher sei die Herausforderung Nummer eins für alle Arbeitgebenden: Attraktiv bleiben. Wie das gelingen kann, schilderten im Anschluss zahlreiche hochkarätige Vorträge von Expertinnen und Experten mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen. Wir stellen eine kleine Auswahl aus der Fülle der Vorträge vor.

Comeback-Ticket und Sekundenbewerbung
Personalmarketingexperte Jörg Buckmann warb für flexible Arbeitszeitmodelle und neue Führungsstrukturen. So wie etwa mit der Vier-Tage- Woche oder mit einer Organisation ohne Chef, wie bei der Spitex Zürich Limmat der Fall. Als effektiv hätten sich auch Geldprämien erwiesen, etwa für die Neuangestellten oder auch für Mitarbeitende, die neue Kandidaten ins Unternehmen holen. Als clevere Idee stellte er das Comeback- Ticket vor. Mitarbeitende erhielten beim Ausscheiden das Comeback-Ticket in Form eines Flugtickets, als Symbol dafür, dass sie jederzeit wieder im Unternehmen willkommen sind. Als positives Beispiel für überraschende Werbung zeigt er Screenshots der Werbung eines Pflegeheims, das mit den Bewohnenden als Testimonials warb, die in der Werbung fragen: «Wollen Sie für mich da sein?» In der Aktion suchten die Bewohnenden die neue Pflegepersonen aus.
Ein weiterer interessanter Vortrag des Tages stammte von Fabio Blasi, Leiter Sourcing Employer Branding der KSA-Gruppe. Er machte deutlich, was Bewerbende heute erwarten: Nämlich die Einreichung der Bewerbung oder einer Frage rund um die  Uhr; eine rasche, unkomplizierte und persönliche Kontaktaufnahme, Job- Speed-Datings und ein Gesicht und keine Hochglanzbroschüren. Als Praxisbeispiel stellte er die KSA-Sekundenbewerbung vor, die es Bewerbenden besonders einfach macht. Das Upload von Anhängen ist fakultativ, relevant sind das Einsatzgebiet und das Wunschpensum. Dazu gibt es eine Chatfunktion, die während sieben Tagen pro Woche betreut wird und eine aktive Kontaktaufnahmeseitens HR.

Flexible Arbeitszeitmodelle und Zufriedenheit
Eine interessante Idee eines flexiblen Arbeitszeitmodells stellte Manuela Schudel von den Kliniken Valens vor. Mit dem «RehaFlexPool» hat das Unternehmen einen Pool einer Mitarbeitendengruppe aufgebaut, die für Einsätze an verschiedenen Standorten zur Verfügung stehen. Die Mitarbeitenden können jederzeit frei ihren Beschäftigungsgrad und den Standort wählen, Fahrspesen und Funktionszulagen werden gezahlt sowie die gesicherte Gehaltsauszahlung am 25. des Monats.
Dass sich in der Arbeitswelt viel ändert, zeigen auch die Ergebnisse der Studie der Keller Unternehmensberatung in Schweizer Alters- und Pflegeheimen. Ihr Fazit: Es gäbe keine Best Practices. Stattdessen müssten Massnahmen immer individuell auf die Bedürfnisse des Unternehmens und der Mitarbeitenden abgestimmt sein. Und: Der Wertewandel bei den Mitarbeitenden sei deutlich. Mitbestimmung, mehr Work-Life- Balance, Selbstverantwortung und Flexibilität werden heute einfach erwartet.
Monika Schnoz von der Agentur Kommunikationsart präsentierte unter anderem die Tik- Tok-Kampagne von Lernenden aus Spitex und Pflegeheimen, die in Kurzvideos ihren Arbeitsalltag beschreiben und so für den Pflegeberuf warben. Millionen von Klicks, eine umfangreiche Berichterstattung in anderen Medien und viel positives Feedback waren die Folge.
Simon Keller hob in seinem zweiten Vortrag zur Mitarbeitendenzufriedenheit hervor, dass es für Unternehmen zwingend sei, die Zufriedenheit als unternehmensweites Thema zu begreifen. Dazu gehöre deren Messung und das Herunterbrechen auf unterschiedliche Ebenen.
Insgesamt eine Fachtagung wie aus dem Bilderbuch, mit fundiertem, praxisnahem und auch unterhaltendem Inhalt.