«Wir wollen Patientinnen und Patienten endlich eine Stimme geben»

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Pro-salute.ch heisst die neue Dachorganisation, die Patientinnen und Patienten und Prämienzahler und Prämienzahlerinnen mehr Gehör verschaffen will als Gegengewicht zu Spitälern, Ärzten und Versicherungen. Präsidentin ist die grüne Nationalrätin Sophie Michaud Gigon.

Frau Gigon: Wie ist es zur Gründung des Vereins gekommen?
Es hat uns schon lange beschäftigt, dass Patientinnen und Patienten relativ unkoordiniert und schwach vertreten sind im Vergleich zu anderen Interessenvertretern. Die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) ist mit diesem Thema auf unseren Verband Fédération Romande des Consommateurs (FRC) und andere zugekommen, und so kam alles ins Rollen.

Aber es gibt ja bereits eine Reihe von Verbänden, die sich um die Interessen der Patienten kümmern.
Ja, und einige von diesen Organisationen sind unsere Mitglieder. Aber die einzelnen Organisationen sind finanziell nicht so gut ausgestattet wie die Vertreter der anderen grossen Interessengruppen wie der Leistungserbringer oder Versicherungen. Genau deshalb haben wir uns in einer Dachorganisation zusammengetan, damit wir unsere Interessen nochmals zusammenfassen und in Bern besser gehört werden. Gemeinsam sind wir stärker.

Welche Themen haben für Sie Priorität?
Unser gemeinsamer Nenner sind Themen wie Transparenz, Vergleichbarkeit, Einfachheit und Qualität. Diese Bereiche wollen wir weiter entwickeln und unter dem Stichwort «Empowerment», das heisst mehr Rechte und Beteiligung der Patienten und Prämienzahler an den Entscheidungen im Gesundheitswesen.

Ein grosses Thema sind die Kosten im Gesundheitswesen. Welche Position nehmen Sie hier ein?
Wir unterstützen einige der Massnahmen, die jetzt gerade in der Politik diskutiert werden. Die Kosten müssen sinken und überflüssige Behandlungen sind zu vermeiden, ohne die Qualität zu senken. Deshalb sind die Transparenz und Vergleichbarkeit der Kosten für die Patienten so wichtig. Das ist heute zum grossen Teil nicht klar und muss sich dringend ändern.

Was sind die nächsten Schritte?
Wir werden unsere Organisation weiter ausbauen, es liegen bereits Anfragen von weiteren Verbänden vor, die sich uns anschliessen möchten. Zudem führen wir Gespräche mit dem Bund und anderen Institutionen zu strategischen Fragen. Beispielsweise, warum eigentlich die Versicherer einen Teil der Prämie von Prämienzahlern erhalten, das finden wir etwas merkwürdig. Und dann wollen wir natürlich unsere inhaltlichen Themen schärfen und Prioritäten setzen.

Haben Sie einen Appell an Spitäler oder Heime?
Wir würden uns wünschen, dass Spitäler, insbesondere die grossen Häuser, noch mehr auf Patientinnen und Patienten eingehen und an ihren Entscheidungsprozessen beteiligen. Häufig werden sie doch von Arzt zu Arzt geschickt und fühlen sich sehr verloren in diesen riesigen Organisationen. Hier sollte das Empowerment der Patienten mehr Gewicht erhalten. Darum begrüssen wir auch das Elektronische Patientendossier. Es wird helfen, viele Dinge transparenter zu machen und hoffentlich auch überflüssige Behandlungen vermeiden.