Fast 10’000 Patientinnen und Patienten wurden bisher auf ihre Eignung für die Studie Hospital@Home geprüft. 660 von ihnen konnten schliesslich in das Pilotprojekt aufgenommen werden. Die Rückmeldungen sind ausgesprochen positiv: 98 Prozent der Teilnehmenden sind zufrieden, und 96,7 Prozent würden erneut mitmachen. Das Durchschnittsalter liegt bei 81,9 Jahren, die durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Spital betrug 8,3 Tage.
Das Hospital@Home-Konzept wurde vom KSB entwickelt, vom Kanton Aargau mit einer Million Franken unterstützt und wird wissenschaftlich in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich begleitet. Ziel ist es, ungeplante Wiedereintritte durch eine strukturierte, interprofessionelle Betreuung im häuslichen Umfeld zu reduzieren. Dazu arbeiten Spital, Spitex, Hausärztinnen und Hausärzte, Apotheken sowie Angehörige eng zusammen. Die Patientinnen und Patienten werden nach dem Spitalaustritt gezielt begleitet und medizinisch überwacht, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen.
Fehlende Medikamente und verdorbene Lebensmittel
«Es handelt sich um ein vielversprechendes Versorgungsmodell, das sowohl für Patientinnen und Patienten als auch für das Gesundheitssystem einen Mehrwert bieten kann», sagt Prof. Dr. med. et phil. Maria Wertli, Chefärztin Innere Medizin am KSB. «Die bisherigen Ergebnisse und die sehr positiven Rückmeldungen der Teilnehmenden bestärken uns darin, diesen Ansatz wissenschaftlich fundiert weiterzuverfolgen. Unser Ziel ist es, mit einer wissenschaftlichen Studie eine Grundlage zu schaffen, auf der gesundheitspolitische Entscheidungen getroffen werden können.»
Die bisherigen Erfahrungen zeigen, mit welchen vielfältigen Herausforderungen ältere Menschen nach dem Spitalaustritt konfrontiert sind: «Oftmals sind die im Spital verschriebenen Medikamente zu Hause nicht vorhanden. Oder die Patienten sollten täglich ihr Gewicht kontrollieren, verfügen aber über keine Waage. Auch Mobilitätseinschränkungen können dazu führen, dass Betroffene zu Hause nicht ausreichend versorgt sind», erklärt Wertli.
Ein Fall ist ihr besonders in Erinnerung geblieben: «Ein Patient wurde nach drei Wochen Spitalaufenthalt entlassen, war jedoch zu geschwächt, um einkaufen zu gehen. Er ass, was sich noch in seinem Kühlschrank befand – leider teilweise verdorbene Lebensmittel. Wir mussten ihn deshalb wegen einer Lebensmittelvergiftung notfallmässig betreuen.»
Engmaschige Betreuung
Wertlis Fazit fällt deutlich aus: «Dass viele ältere Menschen zu Hause in ihrer Funktionalität derart stark eingeschränkt sind, haben wir in diesem Ausmass nicht erwartet. Eine engmaschige Betreuung ist deshalb zentral – auch zur Entlastung des Gesundheitswesens.» Entsprechend gross ist die Wertschätzung für die im Rahmen des Pilotprojekts eingerichtete KSB-Hotline, über die Patientinnen und Patienten auch nach dem Spitalaufenthalt Fachpersonen erreichen, die mit ihrer Krankengeschichte vertraut sind.
Positive Rückmeldungen kommen zudem von Hausärztinnen und Hausärzten, Spitexorganisationen und Apotheken. Eine Umfrage zeigt, dass das Versorgungsmodell des KSB auch bei diesen Akteuren auf breite Zustimmung stösst, da es eine bestehende Versorgungslücke schliesst.
Das Hospital@Home-Projekt des KSB dauert noch bis Ende 2026. Auswertung und Publikation der Ergebnisse erfolgen in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich. Die Studie soll aufzeigen, unter welchen Voraussetzungen dieses Versorgungsmodell langfristig zur Verbesserung der Versorgungsqualität, zur Entlastung der Gesundheitsinstitutionen und zur Reduktion von Folgekosten beitragen kann.
Kennzahlen Hospital@Home-Projekt des KSB
Prescreening und Screening: 9843 Personen
Studienteilnehmende: 660
Durchschnittsalter: 81,9 Jahre
Geschlechterverteilung: 50,2 % Frauen / 49,8 % Männer
Durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Spital: 8,3 Tage
Zufriedenheit der Hospital@Home-Teilnehmenden: 98 %