Das bessere Spital


Mit der «Lean Hospital»-Strategie sind Spitäler erfolgreicher: Die Patienten stehen an erster Stelle, und Patientenorientierung und Patientensicherheit sind zentrale Zielsetzungen. Wie die Methode in der Praxis funktioniert, veranschaulicht Lean-Experte Daniel Walker.



Daniel Walker *

Selbst Spitäler können von der Industrie lernen, sagt Jürg Aebi, CEO des Kantonsspitals Baselland.
Er ist überzeugt von «Lean». Er ist nicht der Einzige. Vor rund 20 Jahren haben einige Spitäler im Nordwesten der USA damit begonnen, das Toyota-Produktionssystem in ihrem Betrieb anzuwenden. Sie sind damit anderen Branchen gefolgt, etwa dem Flugzeughersteller Boeing. Inzwischen gehören diese Spitäler zu den Qualitätsführern im renommieren «Leapfrog»- Ranking. Während andere aufgrund der Gesundheitsreform der Regierung Obama ums Überleben kämpfen, sind diese Spitäler gut aufgestellt.

Im Fokus muss der Patient stehen
Die «Lean Hospital»-Philosophie hat auch in Schweizer Spitälern Einzug gehalten. Das Spitalzentrum Biel sowie die Kantonsspitäler Baselland und Graubünden haben sich als Erste auf diesen Weg begeben. In diesen Spitälern gibt es eindrückliche Beispiele von Umsetzungen zu sehen. Das Interesse an Lean ist sehr gross. Lean-Bettenstationen sind ein Anwendungsbeispiel, das gegenwärtig heftig diskutiert und kopiert wird. Einige Spitäler haben sich bereits dafür entschieden, dieses Modell im ganzen Haus auszurollen. Lean betrifft alle Bereiche eines Spitals: Das interdisziplinäre Notfallzentrum am Universitätsspital Basel und das Ambulatorium für Kinder- und Jugendmedizin am KSGR sind weitere Beispiele erfolgreicher Lean Hospital-Projekte. Bezüglich Lean im Spital gibt es viele Missverständnisse. Das ist auch der Grund für den anfänglichen Widerstand. Das häufigste Missverständnis ist, es würde sich um ein Sparprogramm handeln. Im Fokus von Lean stehen der Patient und seine Bedürfnisse. Es geht um die Qualität und nicht ums Sparen. Unter Experten ist man sich einig: Wer sich alleine aus Gründen der Kosteneffizienz für Lean entscheidet, ist auf dem falschen Dampfer. Erst wenn man sehen kann, wie es im eigenen Spital funktioniert, bauen sich die Widerstände ab. Erfolgreich ist Lean Hospital, weil es die Dinge zum Guten verändert. Das gilt für die USA oder Niederlande genauso wie für die Schweiz. Bruno Letsch, Direktor des Spitalzentrums Biel, sagt über die vielen, bereits erfolgreichen Projekte von Lean in seinem Spital: «Niemand will zurück». Lean setzt Energien frei, es hat Begeisterungspotenzial. In diesem Sinne ist Lean «gratis». Man nutzt das Engagement der Mitarbeitenden, die bereits angestellt und bezahlt sind. Bis man allerdings dort angelangt ist, steht ein harter Weg bevor. Dieser kostet viel Energie, Zeit und zieht auch Investitionen nach sich. Es ist für die Mitarbeitenden eine grosse Umstellung, nach Lean-Prinzipien zu arbeiten. Man ist viel fokussierter unterwegs. Lean verlangt Disziplin, was nicht allen gelegen kommt. Allerdings beseitigt es viele Verschwendungen und erleichtert dadurch das Leben.

Managementmethode mit drei Aspekten
Auf den Punkt gebracht ist Lean Hospital eine Managementmethode, die drei Aspekte umfasst:

  • die Art und Weise wie ein Spital geführt wird,
  • die Art und Weise wie in einem Spital gearbeitet wird (Leistungserbringung) und
  • die Art und Weise, wie Innovationen betrieben werden.

Lean Hospital ist eine Strategie, die über mehrere Jahre kontinuierlicher Verbesserungen dazu führt, dass man seine Konkurrenz distanziert. Allen Anstrengungen gemeinsam ist, dass ein starker Patienten- und Qualitätsfokus eingenommen wird. «Der Patient kommt immer zuerst» ist die oberste Maxime in einem Lean Hospital. Indem man alles dem Wohl von Patienten und Angehörigen unterordnet, werden viele Probleme und Leerläufe eliminiert. Das Wichtigste: Am Ende erhält man eine höhere Qualität zu niedrigeren Kosten. Was ebenfalls die Kosten reduziert, ist der Fokus auf die Sicherheit. Lean strebt Sicherheit an, indem Fehler früh erkannt und an der Quelle beseitigt werden. Bis zu 30 Prozent der Kosten in einem Spital entstehen durch die vielen kleinen Fehler, die andauernd passieren. Es ist eher selten, dass ein Spital durch eine isolierte Lean-Massnahme besser wird. Es ist die schiere Menge der vielen Verbesserungen, die den Unterschied ausmacht.

Prozesse standardisieren
Die besten Spitäler der Welt nutzen Lean, um ihre Behandlungsprozesse zu standardisieren und auf ein höheres Qualitätsniveau zu heben. Nehmen wir das Beispiel von Sloan Kettering, eines der führenden Tumorzentren der Welt. Mittels Lean-Methoden arbeitet dieses Zentrum permanent daran, die Überlebensrate von Tumorpatienten zu verbessern. Weil man diesen klaren Fokus hat, setzt man sich ambitionierte Ziele. Was wäre, wenn man einem Patienten innerhalb von 35 Stunden nach seiner Anmeldung bereits einen Behandlungsplan vorlegen könnte? Das setzt ein komplettes Re-Design der Prozesse und der Zusammenarbeit voraus. Indem man alles diesem Ziel unterordnet, entsteht eine neue Qualität von Dienstleistung. Dazu werden viele Dinge standardisiert und die Nutzung der Informationssysteme verbessert. Es sind  Anstrengungen über viele Jahre notwendig, bis man dort angelangt ist.

Patientenerlebnis berücksichtigen
In einem Notfallzentrum kann man sich das Ziel setzen, dem Patienten innerhalb von 15 Minuten einen fachärztlichen Erstkontakt zu verschaffen. Das ist nebenbei ein Qualitätsmarker. Das Interdisziplinäre Notfallzentrum des Universitätsspitals Basel ist mit seiner Initiative Medizinische Teamevaluation MTE (Rapid Medical Assessment) diesem Ziel bereits sehr nahe gekommen. In einem Traumazentrum für Schwerstverletzte kann man sich zum Ziel setzen eine Überlebensrate von mindestens 95 Prozent1 zu erreichen. Ärzteschaft und Pflegefachpersonen mag es erstaunen, dass dies alles mit Lean im Zusammenhang steht. Lean ist die derzeit beste Methode, um die Qualität kontinuierlich voran zu treiben.

Das Buch «Lean Hospital, das Krankenhaus der Zukunft» ist seit Juni 2015 im Buchhandel erhältlich, erschienen bei der Medizinisch Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft. Erstmals ist zwischen zwei Buchdeckeln zusammengefasst, was Lean im Gesundheitswesen bedeutet. Die Fachpublikation erhält Beiträge von diversen Fachpersonen, unter anderem auch von Daniel Walker. Das Buch führt seine Leser Schritt für Schritt in die «Lean Hospital»-Welt ein, und zeigt leicht verständlich und zugleich sehr präzise, wie Lean Hospital erfolgreich umgesetzt wird. www.mwv-berlin.deBei all dem muss gleichberechtigt das Patientenerlebnis berücksichtigt werden. Das Royal College of Physicians, die FMH von Grossbritannien, hat Ende 2013 den Future Hospital Report publiziert. Einer der wichtigsten Punkte in diesem Report ist, dass das subjektive Erleben des Patienten gleich zu gewichten sei wie die medizinischen Erfordernisse. Es mag überraschen, dass ausgerechnet eine Ärztevereinigung mit einer jahrhundertelangen Tradition diese Forderung aufstellt. Tatsache ist aber, dass der medizinische Outcome eng mit dem Patientenerlebnis verknüpft ist. Den Patienten und seine Angehörigen konsequent in den Behandlungsverlauf zu integrieren, erhöht die Patientensicherheit. Patienten werden nicht gesund, weil die Ärzte so genial sind, sondern weil die Interaktion zwischen dem Behandlungsteam und dem Patienten und seinen Angehörigen optimal konzipiert ist. Wo ist der Haken? Lean ist keine Methode, um schnell mal ein paar Franken und ein paar Warteminuten einzusparen. Es ist ein ganzheitliches Managementsystem. Die Art und Weise wie ein Spital geführt, wie dort gearbeitet und kontinuierlich verbessert wird, verändert sich dadurch grundlegend. Das geht nicht von heute auf morgen. Von Lean sind alle im Spital früher oder später betroffen. Es setzt  anspruchsvolle organisationale Lernprozesse voraus. Lean verlangt, dass man sich auf den Patienten und die Qualität fokussiert und das als Prozess über viele Jahre betrachtet. Schliesslich ist es die Existenzberechtigung eines Spitals, alles für den Patienten zu geben und nichts anderes.

* walkerproject ag CEO und Inhaber, www.walkerproject.com

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Datum: 8.-11. November 2028

Ort: Frankfurt am Main (D)

Bezugsquellenverzeichnis