Die Ergebnisse zeigen, dass Personen mit tieferen Einkommen häufiger medizinische Leistungen in Anspruch nehmen. Dieser Zusammenhang bleibt auch bestehen, wenn Unterschiede im Gesundheitszustand berücksichtigt werden. Gleichzeitig nutzen einkommensschwächere Haushalte Vorsorgeangebote deutlich seltener, obwohl teilweise kostenfreie kantonale Programme bestehen. Dies zeigt, dass neben finanziellen Faktoren insbesondere Gesundheitskompetenz und Information eine zentrale Rolle spielen.
Die Analysen machen zudem deutlich, dass bestehende Anreize an Wirkung verloren haben. Die Mindestfranchise liegt seit rund 20 Jahren unverändert bei 300 Franken, während die Gesundheitskosten deutlich gestiegen sind. Dadurch hat ihre Steuerungswirkung abgenommen.
Vor diesem Hintergrund bestehe klarer politischer Handlungsbedarf, so Helsana in einer Medienmitteilung. Die Mindestfranchise sei anzupassen, um ihre Steuerungsfunktion wieder zu stärken. Gleichzeitig zeigten die bestehenden, kantonal organisierten Vorsorgeprogramme eine begrenzte Wirkung. Zudem ist ein gleichwertiger, einfacher Zugang zu Vorsorgeuntersuchungen für die gesamte Bevölkerung sicherzustellen. Dies erfordere eine stärkere einheitliche Regelung auf nationaler Ebene.
Ergänzend sei die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung systematisch zu stärken, da sie einen wesentlichen Einfluss auf die Nutzung von Früherkennungsangeboten hat. Darüber hinaus gelte es bestehende Instrumente konsequent einzusetzen. Der neue Art. 56a KVG ermöglicht es den Krankenversicherern, Versicherte gezielt über kostengünstigere Leistungen, geeignete Versicherungsmodelle und mögliche Vorsorgemassnahmen zu informieren. Dieses Potenzial sei zu nutzen, um Fehlversorgung zu reduzieren und die Inanspruchnahme von Leistungen wirksamer zu koordinieren.
Worum geht es?
Ob und wie häufig Menschen medizinische Leistungen in Anspruch nehmen, hängt von mehreren Faktoren ab. Der wichtigste ist der Gesundheitszustand. Daneben spielen auch die Art des Versicherungsmodells, der Anteil der Kosten, den Versicherte selbst tragen, sowie die finanzielle Situation eines Haushalts eine Rolle.
Der Bericht untersucht den Einfluss des Haushaltseinkommens auf die Nutzung von medizinischen Leistungen. Für die Analyse wertete die Universität Basel im Auftrag von Helsana Abrechnungsdaten mit Einkommensdaten der Ausgleichskassen und der Familienzulagenregister aus.
Menschen mit tieferen Einkommen beanspruchen mehr medizinische Leistungen
In einem ersten Schritt wird geprüft, ob sich der Gesundheitszustand zwischen den Einkommenskategorien unterscheidet. Die Ergebnisse zeigen einen klaren Zusammenhang: Personen mit tieferem Einkommen leiden häufiger an chronischen Erkrankungen als Personen mit höherem Einkommen. Dieser Befund zeigt sich über fast alle untersuchten Krankheitsgruppen hinweg.
Die Unterschiede sind teils deutlich. Bei Schilddrüsenerkrankungen ist der Anteil betroffener Personen in der tiefsten Einkommenskategorie um 37 Personen höher als in der höchsten. Bei Hypercholesterinämie beträgt der Unterschied 74 Prozent. Besonders ausgeprägt ist er bei Depressionen: Hier ist der Anteil betroffener Personen in der tiefsten Einkommenskategorie rund dreimal so hoch wie in der höchsten.
Hier geht es zum Report: https://reports.helsana.ch/einkommensreport-2026/