So ebnen wir den Weg zu einer besseren Versorgung

Spitäler müssen auch künftig ihr Angebot ständig verbessern, die Ausbildung der Mitarbeitenden voranbringen und die vielen Weichen richtig stellen, um anstehende Probleme zu lösen. Dazu braucht es Weitsicht, eine offene Einstellung, Mut für Neues und die richtigen Anreize. Selbstverständlich gilt es dabei, auch Risiken im Auge zu behalten. Die grosse Kunst bei Neuerungen ist es, Win-Win-Situationen zu schaffen. Am Kantonsspital Baden (KSB) stehen insbesondere die Kaderleute in der Pflicht, eine solche innovative Kultur zu ermöglichen und zu fördern. Was heisst das?

Die technologischen Innovationen – oft mit dem Allerwelts-Schlagwort «Digitalisierung» umschrieben – verändern auch die Gesundheitsbranche rasch und nachhaltig. Dabei stehen wir wohl eher erst am Anfang als am Ende einer rasanten Entwicklung.

DR. DANIEL HELLER ist seit Juni 2014 Verwaltungsratspräsident der Kantonsspital Baden AG. Hauptberuflich ist er Partner und Head of Innovation Board & Startup Desk bei der Farner Consulting AG.

Auf was kommt es an? Wir brauchen Nähe auf allen Ebenen, an erster Stelle in der Spitalführung. Nähe heisst, das Augenmerk auf die Brennpunkte zu richten, wo Revolutionen und Wandel stattfinden. Nähe brauchen wir im Geiste: Wir müssen bereit sein, den stetigen Wandel zu umarmen – und nicht vor ihm zurückzuschrecken. Nah dran zu sein bedeutet auch, intern und extern in Projekte zu investieren: intern in die Interdisziplinarität – nur so kommen die besten Lösungen zustande. Extern, indem wir Expertise und Behandlungsketten bauen und die optimalen Patientenpfade entwickeln. Nah dran sein heisst auch, dass wir dort dabei sein wollen, wo neue Diagnosen und Therapien angedacht werden und entstehen. Ich denke an Universitäten und Fachhochschulen, das Paul-Scherrer-Institut (PSI) sowie die blühende Kultur innovativer Start-ups.

Am KSB haben wir zu diesem Zweck ein Innovationsmonitoring aufgesetzt. Wir beurteilen regelmässig relevante Entwicklungen in den Bereichen Technologie, Diagnose, Therapie oder Supportprozesse. Zudem haben wir im Frühsommer 2018 einen Health Innovation Hub gegründet. Dort kooperieren wir mit führenden Forschungs- und Bildungsinstitutionen wie dem Paul-Scherrer-Institut, mit Hochschulen – dazu gehören die ETH und die Universität Zürich respektive das Universitäts-Spital, aber auch die Fachhochschule Nordwestschweiz – sowie mit diversen anderen Leistungserbringern im Gesundheitswesen. Den Kontakt zu Start-ups suchen wir ganz bewusst. Wir unterstützen und fördern private Innovationsprojekte, wenn daraus Win-Win-Situationen entstehen. So ebnen wir den Weg zu einer noch besseren Gesundheitsversorgung.

Innovation findet heute überall und auf allen möglichen Ebenen statt. Betroffen sind Datenbanken, Verpflegung und Logistik; Veränderungen ergeben sich aber auch bei den Abrechnungssystemen, beim Management und sogar bei der Arbeit des Verwaltungsrates (wir sitzen heute vor iPads und nicht mehr vor Aktenbergen). Es ist an uns, die Chancen zu erkennen und Weichen rechtzeitig so zu stellen, dass unsere Innovationen den Patienten zugutekommen. Davon bin ich überzeugt, das ist meine Vision.

Ansätze, um Innovation voranzutreiben und zu nutzen, gibt es viele – nicht nur im KSB, sondern auch in anderen Spitälern. Wenn man heute mittels Facetime um die Welt telefonieren kann, sollte man auch in der Lage sein, die Kommunikation in einem grossen Spital zeitgemässer zu gestalten.

Wenn noch vor einiger Zeit 512 MB Datenspeicher mehrere Kilo gewogen haben, und heute das Vielfache davon am Schlüsselbund getragen werden kann, sollten wir uns fragen, welche Chancen diese Datenkapazitäten in einem Spital eröffnen.

Heute sprechen wir mit Computern und lassen uns die Nachrichten vorlesen. Wenn wir mittlerweile Dutzende von Büchern auf dem Tablet in der Westentasche und Tausende CDs in einer virtuellen Bibliothek überall dabei haben, eröffnet das auch Chancen in einem Spital. Wie organisieren wir das Wissensmanagement und die Weiterbildung rund um Patientenbetreuung, um Krankheitsbilder und um Therapien?

Heute erlauben die grossen Datenmengen und neue Speichermedien, dass wir Transparenz gewinnen darüber, was an anderen Orten entwickelt wurde und wie Behandlungen am Patienten wirken. Wenn wir das verknüpfen können mit einem Feedbacksystem von der Therapiefront, liegt ein real-time-basiertes Abgeltungssystem für die Wirksamkeit von Medikamenten in Reichweite. Die Möglichkeiten unserer Zeit scheinen grenzenlos. Früher dominierte oft die Frage nach dem «ob». Nämlich, ob wir etwas Neues einführen sollen. Heute ist die Wann-Frage entscheidend: Wann führen wir was ein? Dabei wollen wir am KSB keine Experimente machen, sondern uns als sogenannte «Early Adopter» positionieren.



HEIME & SPITÄLER 1 MÄRZ 2019