Gesundheitspolitik 4.0


Liebe Leserin, lieber Leser

Die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen steht einmal mehr im Rampenlicht. Die jüngsten Diskussionen wurden durch die Studie «Gesunde Spitalpolitik» von Avenir Suisse ausgelöst. Wie nicht anders zu erwarten, stellt der Think Tank den Klinikbetreibern ein schlechtes Zeugnis aus: Die Spitäler liegen – was die Finanzen anbelangt – auf dem Krankenbett, einige sogar auf der Intensivstation. In den letzten Tagen doppelte Avenir Suisse mit einer weiteren Publikation nach und analysierte weitere Schuldige der latenten Misere: Es sind die Kantone, die sich – so der Bericht – im Spitalsektor oft als Wettbewerbsverhinderer erweisen. Genau das hätte bekanntlich die neue Spitalfinanzierung, welche 2012 eingeführt worden ist, unter anderem unterbinden sollen. Die Hoffnung war, mit Swiss DRG die Effizienz und Qualität der Akutspitäler zu steigern und gleichzeitig die Kosten der akutsomatischen Leistungen zu senken.

Gerade Letzteres hat sich jedoch bis anhin nicht eingestellt, wobei es nicht zuletzt die anhaltende Bevorzugung der öffentlichen Spitäler durch die Kantone ist, die eine volle Entfaltung der Wirkung der neuen Spitalfinanzierung behindert. Verschiedene Vertreter aus dem Gesundheitswesen wollen nun dem «Kantönligeist» den Kampf ansagen und möchten eine sogenannte «Gesundheitspolitik 4.0» fördern. Ziel müsste sein, eine landesweit einheitliche Gesundheitspolitik zu ermöglichen, welche einen fairen Wettbewerb mit gleich langen Spiessen für alle zulässt. Damit Wettbewerb im Spitalmarkt funktionieren kann, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein: Gemäss Avenir Suisse muss einerseits sichergestellt werden, dass die Zahl vorhandener Spitäler in den Einzugsgebieten genügend gross ist, damit überhaupt Wettbewerb entstehen kann. In der Schweiz mit ihren aktuell über 188 Akutspitälern dürfte diese Voraussetzung in den allermeisten Regionen auch dann noch gegeben sein, wenn das eine oder andere Spital seine Pforten schliesst.

Um ein leistungsfähiges Gesundheitswesen zu garantieren, muss indes auch die Infrastruktur gezielter den veränderten Bedürfnissen angepasst werden. Dies betrifft nicht nur die Spitäler, sondern auch die Alters- und Pflegezentren. In unserem Interview zeigt Felix Bohn auf, wo akuter Handlungsbedarf angesagt ist (Seite 8). Der Architekt, Ergotherapeut, Lichtdesigner und Gerontologe ortet insbesondere im Bereich von Patienten- und Bewohnerzimmern – welche er als Stiefkinder der Planung bezeichnet – einen grossen Nachholbedarf. Lassen Sie sich von seinen unkonventionellen Ideen und Vorschlägen inspirieren – und setzen Sie das eine oder andere Projekt erfolgreich in die Praxis um.

Christoph Hämmig
Chefredaktor



Heime und Spitäler Ausgabe März 1/2018