Bettenversorgung mit Multitower


Für einen qualitativ guten Spitalaufenthalt braucht es auch eine geeignete Infrastruktur und hervorragende Supportdienstleistungen. Sehr wichtig für die Patientinnen und Patienten ist das Spitalbett. Die Bettenversorgung muss zahlreiche Anforderungen erfüllen. Diese umfassende Herausforderung wird im Bettenhaus des Stadtspital Triemli in Zürich mit dem Multitower gelöst.


Sven Brander*

Stadtspital Triemli Bettenhaus im Vordergrund, Turm im Hintergrund. Fotonachweis: Stadt Zürich

Traditionell wurden die Betten im Zürcher Stadtspital Triemli immer in einer Bettenzentrale gereinigt. Für diesen Prozess waren jeweils viele Lager auf den einzelnen Geschossen und viel Stellfläche in der Bettenzentrale notwendig. Trotz einer guten Organisation traf man auf allen Stationen auf Betten in den Gängen und den Liftvorplätzen. Diese Situation ist vielen Spitälern bekannt. Heute ist dieses Bild im Triemli nicht mehr anzutreffen. Ein wichtiger Grund dafür ist der Multitower – ein Hochregallager für Betten.

Blick vom Geschoss M in den Schacht des Multitowers, die drei Zonen sind erkennbar. Fotonachweis: Thomas Walter, Abteilungsleiter Transport, Stadtspital Triemli

Transportmittel und Lager in einem
Der Multitower besteht aus zwei gespiegelten Hochregallagern, die sich über das ganze Bettenhaus in zwei 53 Meter hohen Schächten erstrecken. Ein Hochregallager wird für die sauberen Betten und eines für die gebrauchten Betten genutzt. Die benutzten Betten können auf allen Stationen auf der Schmutzseite eingelagert werden. Danach bringt sie der Multitower automatisch zur Entnahmestelle der Etage Y. Dort werden sie ausgelagert und in der Bettenzentrale aufbereitet. Nach dem Reinigungsprozess werden die Betten wieder im sauberen Multitower eingelagert. Auf allen Stationen können die sauberen Betten wieder vom Multitower bezogen werden. Die Hochregallager sind in drei Zonen unterteilt. In der Mitte des Hochregallagers gibt es eine Bewegungszone, in der ein Regalbediengerät (RBG) selbständig als Lift fährt und die Aufträge abarbeitet. Die Lagerungszone dient einzig als Bettenlager. Die dritte Zone ist auf der sauberen Seite sowohl ein Lager für saubere Betten als auch deren Bezugsort. Auf der schmutzigen Seite dient die dritte Zone ebenso als Lager. Auch dort ist immer eine leere Box auf jedem Geschoss vorgelagert, um ein benutztes Bett aufzunehmen. Es werden nicht einfach Betten bewegt, sondern Boxen, die mit oder ohne Betten bestückt sind. Das RBG fährt das angeforderte Stockwerk automatisch an. Danach entriegelt sich die Box und wird verschoben. 75 Prozent der Tagesproduktion werden über den sauberen Multitower in das Gebäude verteilt. Rund 85 Prozent der Betten werden auch wieder über den Multitower rückgeführt. Die restlichen 15 bis 25 Prozent der Betten werden konventionell transportiert, da nur die Standardbetten in den Multitower passen. Einige Betten werden mit speziellen Lagerungsmaterialien (Beinschienen, Sitzkissen, etc.) geliefert, auch diese werden konventionell befördert.

Einlagern eines sauberen Bettes in eine Box des Multitowers. Fotonachweis: Thomas Walter, Abteilungsleiter Transport, Stadtspital Triemli

Logistiktechnologie für Reinigungsdienstleistung
Die Kernaufgabe der Bettenzentrale ist das Aufbereiten der Spitalbetten nach den Standards, die von der Spitalhygiene vorgegeben werden. Dazu werden im Stadtspital Triemli die benutzten Betten in die Bettenzentrale gebracht. In einem ersten Schritt müssen alle nicht abwaschbaren Objekte entfernt und jedes Bett nach Typ auf einen Standard abgerüstet werden. In einem weiteren Arbeitsgang wird jedes Bett wischdesinfiziert. Nach der Reinigung bestücken die Mitarbeitenden das Bett wieder mit frischen Kissen und Duvets, um es auf den internen Standard aufzurüsten. Zum Schluss wird das ganze Bett mit einer Folie abgedeckt, damit es vor Verschmutzung geschützt ist. Somit ist der Reinigungsvorgang abgeschlossen.

Bettenverteilung im Triemli und schematische Darstellung des Multitowers. Visualisierung: Sven Brander

Die zentrale Aufbereitung bietet den Vorteil, dass alle Warenströme und die zu leistende Arbeit an einem Ort zusammengeführt werden. Wie bei jeder Produktion ist es wichtig, dass zu jeder Zeit eine genügende Menge von jedem Warenstrom entsprechend dem Prozess verfügbar ist. Besonders der Warenstrom der Betten ist schwierig zu handhaben, da die Betten gross und schwer sind. Bettenlifte sind darauf ausgelegt, dass sie nur ein Bett pro Fahrt transportieren können. In Verbindung mit langen Wegstrecken ist es daher wichtig, dass immer genügend grosse Pufferzonen eingerichtet werden. Diese müssen auch den feuerpolizeilichen Anforderungen entsprechen. Mit dem Einsatz des Multitowers kann durch eine bewährte Logistiktechnologie der Lagerungs- und Verteilprozess verbessert werden. Im Triemli wurde eine erprobte Logistiklösung mit einer wertvollen und effizienten Reinigungsdienstleistung kombiniert. So kann mit dem bestehenden Personalbestand auch das neue Gebäude mitversorgt werden.

Hochregallager und konventionelle Lager

Das Stadtspital Triemli verfügt über insgesamt sieben dezentrale Bettenlager und den Multitower. Die Kombination aus den konventionellen Lagern und dem Hochregallager ist sehr wichtig, um sicherzustellen, dass das Spital mit Betten versorgt ist. Für die Versorgungssicherheit und ein effizientes Arbeiten kann die eine Lagervariante nicht ohne die andere auskommen. Das Hochregallager ist eine technische Anlage, welche wie jedes Gerät ausfallen kann, aber sehr effizient funktioniert. In den traditionellen Lagern stehen immer Puffermengen bereit, um bei einem Ausfall jeglicher Art zuvor vorbereitete Betten verteilen zu können. Generell dienen alle Lager vor allem den nachgelagerten Prozessen, um eine Entkopplung von der Produktion von Sauberbetten zu ermöglichen.

Funktionsprinzip Bettenzentrale: Total werden im Jahr so rund 28 000 Betten aufbereitet. Visualisierung: Sven Brander

Weltweit einzigartig
Der Multitower, so der derzeitige Wissensstand, ist das einzige Hochregallager weltweit, das in einem Spital für den Transport und das Lagern von Betten eingesetzt wird. Bereits beim Bau des Bettenhauses wurden zwei Schächte eingezogen, die sich – abgesehen von den Geschosszugängen – ohne bauliche Einschränkungen nutzen liessen. So konnte das zur Verfügung gestellte Gebäudevolumen perfekt genutzt werden. Dies ist ein signifikanter Gewinn im Vergleich zu konventionellen Bettenlagern, bei denen die Raumhöhe nicht genutzt werden kann. Im Prinzip können die Betten zu jeder Zeit auf den Stationen ein- und ausgelagert werden. Dabei sind saubere und benutzte Betten immer voneinander getrennt. Das ist aus Sicht der Hygiene ein klarer Vorteil.

Das Hochregallager liesse sich noch besser nutzen, wenn sich auf den Stationen Anzeigen befänden, welche informieren würden, wann das nächste Bett geliefert wird. Zurzeit wissen die Mitarbeitenden nicht, wann die nächste Box wieder bereitsteht. Im Vollbetrieb dauert es bis zu 45 Minuten, bis wieder ein Bett vorgelagert ist. Dies weil das Regalbediengerät die Aufträge nach dem Zeitstempel abarbeitet. Da es nur ein RBG gibt, addiert sich die Zeit entsprechend auf. Diese systembedingte Begrenzung könnte durch den Einsatz von zwei RBGs reduziert werden. Ein RBG bekäme den oberen Teil des Lagers zugewiesen, das Zweite den unteren Teil mit einer Übergabezone, die gemeinsam genutzt würde.

Das Triemliareal in der Übersicht. Im Kern: 1. Behandlungstrakt, 2. Turm, 3. Bettenhaus.

Zukunft einer Neuerung
Mit der zukunftsweisenden Entscheidung des Stadtspitals Triemli Zürich durch die Investition in den Multitower, Neuland in der Bettenversorgung zu betreten, ist der Weg für andere Betriebe geebnet, die eigenen Versorgungsprozesse zu überdenken.

Für bestehende Spitalgebäude wäre es möglich, diesen Vorteil für sich nutzbar zu machen, indem ein Hochregallager an die Fassade angebaut wird. Der wirtschaftliche Druck auf die Gesundheitsdienstleister betreffend Effizienz in den Arbeitsabläufen nimmt stetig zu. Das bauliche und prozessbezogene Innovationspotenzial muss in diesem Zusammenhang genutzt werden. Es ist Zeit neue Wege zu gehen, unter Berücksichtigung der Versorgungssicherheit, sich stärker auf schlanke und effiziente Prozesse auszurichten. Der Einsatz des Multitowers im Triemli ist ein klarer Schritt in die Richtung der optimierten Supportprozesse, die infrastrukturell unterstützt werden.

*Abteilungsleiter Bettenzentrale Stadtspital Triemli Zürich, Dipl. Betriebsleiter Facility Management



Heime und Spitäler Ausgabe 4 Oktober 2017