Auswirkungen einer wertschätzenden Führungskultur


Qualifizierte und motivierte Mitarbeitende zu haben, ist insbesondere im Gesundheitswesen nicht einfach. Wie es trotzdem gelingen kann, zeigt dieser Fachartikel am Beispiel des Alterszentrums zur Rose in Reichenburg auf.


Matthias Radtke*

Wertschätzung führt zu mehr Motivation der Mitarbeitenden – davon profitieren die Heimbewohner.

Eine Vielzahl von gross angelegten nationalen und internationalen Studien belegt, dass in zahlreichen Unternehmen Wertschätzung, Anerkennung, Lob sowie das Erkennen und Fördern kreativer Potenziale von Mitarbeitenden eher Mangelware sind. Diese Feststellungen werden dadurch bekräftigt, dass Führungskräfte zwar häufig Fachkompetenz vermittelt bekommen, aber die Schulung von Key-Skills, wie Change, Beziehungs-, Kreativitäts- und Leadership-Kompetenzen, vernachlässigt werden. Besonders im komplexen und von Kostendruck geprägten Gesundheitswesen ist es eine Illusion, ein Unternehmen allein mit Kennzahlen und analytischer Prägnanz führen oder sogar umbauen zu wollen, wie das angesichts des DRG-Zeitalters oft der Fall zu sein scheint.

Über zwei Drittel aller Probleme in unserer Gesellschaft resultieren aus verkrusteten Führungskulturen, die relevante Reformen und qualitatives Wachstum nur bedingt zulassen. Zeitdruck, Überlastung, Gefahr der Überforderung und gleichzeitig die Notwendigkeit, neue Fertigkeiten zu erwerben, ist für Mitarbeitende nur in einem Umfeld möglich, in dem ein angstfreies Klima herrscht und in dem man auch über persönliche Erfahrungen, eigene Unsicherheiten und berufliche Schwierigkeiten miteinander spricht – in einer offenen, lebendigen und teamorientierten Führungskultur.

1 Kurz- und Langzeitabsenzen, 2 indirekte und direkte Kosten

Führungskräfte im Fokus
Führungskräfte stehen hinsichtlich des Themas Wertschätzung in besonderem Fokus, weil sie die Unternehmenskultur und den Zusammenhalt massgeblich gestalten. Ferner sollten sie darauf achten, dass Informations- und Kommunikationsprozesse offen, konstruktiv und auf Augenhöhe verlaufen. Sie bestimmen mit über das Befinden der Mitarbeitenden und über deren Engagement. Die Unternehmensberatung Towers Perrin ermittelte 2005 an über 80 000 Arbeitnehmern, dass der motivierendste Faktor in Unternehmen das Interesse der Vorgesetzten an ihren Mitarbeitenden darstellt. Mitarbeiterengagement ist unverzichtbar für den Unternehmenserfolg, wie Untersuchungen der Bertelsmann AG zeigen: Die 25 Bertelsmann-Firmen, die die höchste Mitarbeiteridentifikation auswiesen, zählten zu den 25 wirtschaftlich Erfolgreichsten mit hoher Umsatzrendite. Entgegengesetzt zählten die 25 Firmen mit niedrigem Identifikationsgrad zu den weniger erfolgreichen Firmen. Ein wertschätzendes Führungsverhalten ist somit ein wesentlicher Prädiktor für die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeitenden in Unternehmen.

Mitarbeiterzufriedenheit mit Kulturzuschreibungen (Qualis evaluation, 2017)

Mehrwerte wertschätzender Führung
Nur Unternehmen und Führungskräfte, die neben ökonomischen Zielen auch soziale, ökologische oder kulturelle Ziele verwirklichen wollen, wirken anziehend auf motivierte und kompetente Mitarbeitende. Sinnvermittlung, eine klare Werteorientierung und eine gute Unternehmenskultur sind wichtige Faktoren für den Erfolg, wie das Institute Deep White und das MCM Institut der Universität St. Gallen bei einer Befragung von 2134 Mitarbeitern in 34 Unternehmen feststellten. Das Ergebnis dieser Studie zeigte, dass ein Viertel des Geschäftserfolges mit einer konstruktiv gelebten Wertekultur am Arbeitsplatz korreliert. Zudem resultieren aus einer klaren und gelebten Werteorientierung Vorteile im Wettbewerb um die besten Fach- und Führungskräfte.

SokratesMapConcept (Sokratesgroup)

Eine wertschätzende Führungskultur sorgt nicht nur für mehr Gewinn, sondern auch für weniger direkte und indirekte Kosten. Werteorientierte Führung ist dann erfolgreich, wenn sie es schafft, effektive und effiziente Strukturen und Arbeitsabläufe zu entwickeln, mit denen die betrieblichen Ziele erreicht oder gar übertroffen werden. Mit dem SokratesMapConcept schaffen es Unternehmen auf einfache Art und Weise, Strukturen und Prozesse abzubilden, den Reifegrad des Unternehmens sichtbar zu machen und fokussiert Massnahmen zur Zielerreichung zu definieren um sie dann erfolgreich umzusetzen. Zudem wird die Komplexität des Unternehmens in all seinen Facetten auf den sogenannten Maps sichtbar wodurch zum Beispiel die Reaktions- und Handlungsfähigkeit deutlich optimiert werden kann.

Nachhaltige Wertschöpfung
Dass es wirklich funktioniert, zeigen die Entwicklungen und Resultate im Alterszentrum zur Rose Reichenburg. Die infolge des Organisationswandels erzielte Wertschöpfung ist im Wesentlichen auf eine deutliche Verbesserung der Führungs- und Unternehmenskultur zurückzuführen, welche durch die Etablierung und Umsetzung einer wertschätzenden Führung resultiert. Die Analyse zeigt die Verbesserung der Mitarbeiterzufriedenheit von 2013 bis 2017. Die Entwicklung der Personalkennzahlen verdeutlicht, dass sich die positiven subjektiven Wahrnehmungen auch in objektiven Zahlen widerspiegeln. Ebenso positiv sind die Rückmeldungen der Kunden. Bei der Angehörigenumfrage 2017 wurde nach 2015 wiederholt der 1. Rang im Vergleich mit 46 Altersinstitutionen gleicher Grösse schweizweit erzielt (< 100 Betten).

Das Fazit
Wertschöpfung durch Wertschätzung ist möglich, resultiert aber nicht daraus, die damit verbundenen Tugenden in Leitbildern, Werten oder Führungsgrundsätzen zu verankern und dann darauf zu warten, dass sich ein Wandel von allein einstellt. Es sind vor allem die Führungskräfte gefragt, sich die notwendigen Skills im Wandel anzueignen und Mitarbeitende einzuladen, zu ermutigen und zu inspirieren, um in Zeiten der gesellschaftlichen Megatrends erfolgreich zu sein. Mit dem SokratesMapConcept steht Führungskräften ein innovatives 360-Grad-Führungstool zur Verfügung, dessen Wirkung und Nutzen im Alterszentrum zur Rose positive Effekte zeigt. Der Mitarbeitende ist und bleibt die wertvollste Ressource in Unternehmen und diese gilt es zu wertschätzen.

1. Rang Kundenumfrage 2017 (Qualis evaluation GmbH, 2017) -> Grafik

*Geschäftsführer, Alters- und Pflegezentrum zur Rose, Reichenburg, Literatur beim Verfasser



Heime und Spitäler Ausgabe 3 August 2017