Fachgruppe BiG setzt sich für GS1-Standards ein


Top-Firmen setzen sich für optimierte und sichere Prozesse im Gesundheitswesen ein. Spitäler, Lieferanten, Dienstleister und wichtige Institutionen bekennen sich zu den GS1-Standards.


Joachim Heldt*

Die meisten beteiligten Partner im Gesundheitswesen können heute nur unter erschwerten Bedingungen, oft nur mittels manueller Prozesse und mit dem Risiko von Medienbrüchen, die Daten in den unterschiedlichsten Systemen nachführen. Standardisierte Identifikations- und Kommunikationssysteme können hier Abhilfe schaffen. Das Beratungsunternehmen McKinsey kommt in der Studie «Strength in unity: The promise of global standards in healthcare» zum Schluss, dass Standards für das Gesundheitswesen entscheidende Vorteile liefern.

Positionspapiere verpflichten
Wer also bessere, schnellere und sichere Abläufe, keine Redundanzen, klare Rückverfolgbarkeit und Transparenz will, der setzt auf eine einheitliche Sprache und muss für erstklassige Stammdaten sorgen. In der Studie wird das GS1-System als der Standard für Effizienz- und Effektivitätssteigerung bezeichnet, der die Patientensicherheit verbessern soll. Die Fachgruppe Beschaffung im Gesundheitswesen (BiG) von GS1 Schweiz beschäftigt sich schon seit einiger Zeit mit der Automatisierung von Lieferprozessen im Gesundheitswesen und deren Voraussetzungen. Gemeinsam setzen sich die Mitglieder für einen kosteneffizienten und transparenten Beschaffungsprozess im Gesundheitswesen ein, der durch den flächendeckenden Einsatz internationaler Standards und einheitlicher Prozesse zu ermöglichen sei. Um das Ziel zu erreichen, hat die Fachgruppe drei wichtige Positionspapiere für die Branche verabschiedet und unterzeichnet.

Die Identifikationsnummern werden durch GS1-Barcodes dargestellt.

So haben sich die Teilnehmer auf ein einheitliches Verständnis über die Verpackungshierarchie von Produkten geeinigt und deren Kennzeichnung mittels GS1-Identifikationsschlüsseln beschlossen. Mit diesen Nummernsystemen lassen sich Produkte, logistische Einheiten und Adressen unverwechselbar kennzeichnen und somit eindeutig identifizieren. Als logische Konsequenz werden die Identifikationsnummern durch GS1-Barcodes dargestellt.

Und dann steht noch die Forderung nach abgestimmten Produktinformationen im Raum. Aufbau, Erfassung und Pflege von Stammdaten erfolgen in jedem Unternehmen nach unterschiedlichen Kriterien und sind mit organisatorischen Massnahmen verknüpft. Oft existieren sogar noch Formulare für die Erfassung des Materialverbrauchs, weil die notwendigen Artikelstammdaten nicht vorhanden sind. Deshalb betonen die Mitglieder der Fachgruppe BiG die Wichtigkeit vollständiger, korrekter und überall verfügbarer Stammdaten.

Die Systemkomponenten

Das GS1-System beinhaltet eine Reihe von standardisierten Identifikationsschlüsseln, die Produkte und Dienstleistungen eindeutig identifizieren und so den Zugang zu den in Computern gespeicherten Informationen liefern. Im Mittelpunkt steht die GS1-Basisnummer (GCP, Global Company Prefix), die von der zuständigen GS1-Organisation an ein Unternehmen vergeben wird.

Die Global Trade Item Number (GTIN) setzt sich aus der GS1-Basisnummer, einer vom Unternehmen zugeteilten Artikelnummer und einer automatisch generierten Prüfziffer zusammen. Die GTIN ist der Zugriffsschlüssel für die in der Datenbank hinterlegten Produktinformationen wie Bezeichnung, Gewicht, Verpackungsgrösse usw. Aufgrund der komplexen Bedürfnisse des Gesundheitswesens hat GS1 für dieses spezielle GTIN-Vergaberegeln definiert und veröffentlicht. «Die Arbeitsgruppe BiG hat wichtige Grundlagen für das Gesundheitswesen erarbeitet, sodass einer Umsetzung nichts mehr im Wege steht», sagt Roland Weibel, Projektleiter Healthcare GS1-System und Leiter der Fachgruppe BiG.

Nebst der GTIN beinhaltet das GS1-System eine Reihe weiterer Identifikationsschlüssel. Die Global Location Number (GLN) dient zur eindeutigen Identifizierung von Unternehmen. Mit der Adressidentifikation werden physische und elektronische Adressen von Unternehmen, Organisationen und Niederlassungen oder organisatorische Betriebsteile wie Lager und Krankenhausstationen identifiziert. Die 13-stellige Nummer ist der Schlüssel zu den in der Datenbank hinterlegten Unternehmensinformationen. Die GLN macht jedes Unternehmen unverwechselbar. Mit dem Serial Shipping Container Code (SSCC) werden Transporteinheiten gekennzeichnet. Die Identnummer wird einmalig vergeben und basiert auf der GPC eines Unternehmens. Die eindeutige Identifikation einer Logistikeinheit wird von allen Beteiligten für die Sendungsübergabe und Sendungsverfolgung genutzt. Der Einsatz der Identnummer erfolgt bei der Warenrückverfolgung, für Routings sowie im Rahmen der Qualitätssicherung.

Der Kreis schliesst sich
Die Umsetzung der GS1-Identifikationsschlüssel erfolgt in eigens dafür Zugelassenen Datenträgern. Dazu gehört die Familie der eindimensionalen Strichcodes wie der EAN-13, GS1-128 Strichcode und der zweidimensionale, äusserst kompakte GS1-DataMatrix. GS1-128 Strichcode und GS1-DataMatrix eignen sich besonders für die Kennzeichnung von sehr kleinen Einheiten und können zusätzlich zur Produktidentifikation weitere Informationen wie Losnummer, Verfalldatum und Seriennummer beinhalten. So dargestellt und übermittelt in elektronischen Nachrichten, lassen sich diese Informationen von den Partnern im Gesundheitswesen schnell aufrufen und weiterverarbeiten. Auch bei der elektronischen Datenübertragung kommen die im GS1-System verwendeten Identifikationsnummern zum Einsatz. Der Austausch der Produktinformationen sowie der Preissynchronisation erfolgt im GS1-XMLFormat über zertifizierte Datenpools. Dazu hat die Arbeitsgruppe die notwendigen elektronischen Nachrichten verabschiedet und freigegeben. Bis Ende 2015 sollen die Nachrichten für Bestellung, Liefermeldung und Rechnung fertiggestellt sein. «Von der Verabschiedung der Positionspapiere bis hin zur Definition der einzelnen Nachrichtentypen hat die Arbeitsgruppe hervorragende Arbeit geleistet», so Roland Weibel. «Gemeinsam haben wir wichtige Grundlagen für das Gesundheitswesen erarbeitet, sodass einer Umsetzung nichts mehr im Wege steht. Ich hoffe, die Mitglieder können die Früchte ihrer Arbeit bald ernten und so einen Beitrag für mehr Transparenz, Sicherheit und Effizienz im Gesundheitswesen leisten.»

*Chefredaktion GS1 network



Heime und Spitäler Ausgabe 5 Dezember 2016