Rollen klären


Liebe Leserin, lieber Leser

Wenn es um die Schweizer Gesundheitsbranche geht, steht der Kanton Zürich oft im Rampenlicht. Und dort steht der Gesundheitsdirektor Dr. Thomas Heiniger ganz im Zentrum des Interessens. Seit rund zehn Jahren wird er nicht müde, heisse Eisen aufzugreifen, neue Massnahmen zu evaluieren und Diskussionen loszutreten – die oftmals auf nationaler Ebene fortgesetzt werden. Seit er im Juni dieses Jahres auch als Präsident der GDK amtet, scheinen die Scheinwerferlichter noch etwas heller. Nicht wenige erachten den 59-Jährigen innerhalb der helvetischen Gesundheitsbranche als treibenden Faktor, wenn es um innovative Entwicklungen geht – aber auch wenn es sich um politisch delikate Angelegenheiten handelt.

In unserem Interview äussert sich Thomas Heiniger denn auch sehr dezidiert und prononciert zu brisanten Themen wie Fehlanreize bei SwissDRG und Tarmed, Digitalisierung und zum Engpass beim Fachpersonal (Seite 8): Eines seiner zentralen Anliegen ist die Wirtschaftlichkeit der Spitäler. Dazu braucht es jedoch eine aktive Rollenklärung mit den Kantonen. Diese treten als Eigentümer auf, genehmigen Tarife und sind Bewilligungsinstanz. Das ist – und alle wissen es – ein Unding. Dieses «System» verzerrt den Wettbewerb, wie auch Dr. Fridolin Marty, Leiter Gesundheitspolitik der economiesuisse, in unserem Fachbericht festhält (Seite 24). Wie ernst dem Gesundheitssektor die Thematik liegt, macht der Umstand deutlich, dass beispielsweise das Kantonsspital Winterthur in eine privatrechtliche AG umgewandelt werden soll. Etwas quer in der Landschaft steht indessen Heinigers Plan, eine neue Fiskalabgabe auf die Erträge von zusatzversicherten Leistungen zu erheben. Zur Ausgangslage: Der Gesundheitsdirektor erhielt den Auftrag, im Zürcher Gesundheitswesen 500 Millionen Franken einzusparen. Statt zu sparen versucht Heiniger das Problem zu lösen, indem er eine neue Steuer einführen will – sehr zum Missbill der Spitäler, welche die Fiskalabgabe zu berappen hätten. Und: Einerseits sollen die Spitäler rentabler werden, andererseits wird den Kliniken bei lukrativen Leistungen das Geld wieder aus der Tasche gezogen. Da beisst sich die Katze in den Schwanz. Vielleicht ist es auch in diesem Fall angebracht, die Rolle des Kantons zu klären. Es wäre jedoch zu einfach, nur dem Gesundheitsdirektor den Schwarzen Peter zuspielen zu wollen. Vielmehr sind alle Akteure im Gesundheitswesen aufgefordert, über praxistaugliche Alternativen zu diskutieren und Lösungsansätze aufzuzeigen – und das bevor das Zürcher Modell Schule macht und sich in anderen Kantonen «verbreitet».

Mit diesen Gedanken wünsche ich Ihnen im Namen des ganzen Verlages schöne, entspannende Festtage. Ich danke Ihnen für Ihre Treue gegenüber unserem Fachmagazin und freue mich mit Ihnen auf ein spannendes Jahr 2017.

Christoph Hämmig
Chefredaktor


Heime und Spitäler Ausgabe 5 Dezember 2016