Betreutes Wohnen als attraktive und zukunftsfähige Wohnform


Neben der ambulanten Pflege und Unterstützung zu Hause sowie der stationären Pflege und Betreuung im Heim wird das «Betreute Wohnen» als dritte, integrierte Wohnform für Menschen im Alter oder mit Behinderung immer bedeutender. Das kommt nicht von ungefähr: Denn «Betreutes Wohnen» schliesst in idealer Weise die Lücke zwischen der Spitex zu Hause und dem Pflegeheim. Die betroffenen Personen erhalten die auf sie zugeschnittenen Leistungen. Dies bedeutet: viel Flexibilität und grosse Sicherheit für die Betroffenen. Aber es bedeutet auch: optimale Allokation der Ressourcen, was sich kostensenkend auswirkt.

Gerade letzteres hat auch die Politik erkannt. So hat der Nationalrat klar dafür gestimmt, «Betreutes Wohnen» über Ergänzungsleistungen zu finanzieren. Doch der Teufel liegt bekanntlich im Detail; dem grundsätzlichen Konsens stehen Differenzen in zentralen Fragen gegenüber. Denn der Begriff «Betreutes Wohnen» ist nur ungenügend definiert; in der Diskussion darüber werden unterschiedliche theoretische Konzepte verwendet, die eng mit politischen und finanziellen Fragestellungen verbunden sind. Gerade für die Ausgestaltung von Finanzierungsmodellen wird eine Definition von «Betreutem Wohnen» dringend benötigt.

Orientierung schafft eine erste Studie «Betreutes Wohnen in der Schweiz – Grundlagen eines Modells», welche im Auftrag von CURAVIVA Schweiz, senesuisse, Pro Senectute Schweiz und Spitex Schweiz erarbeitet wurde. Die Studie fasst wissenschaftliche Erkenntnisse, bestehende Konzepte und Erfahrungen aus der Praxis zusammen und definiert die strukturellen, inhaltlichen und fachlichen Voraussetzungen von «Betreutem Wohnen». Damit leistet die Studie einen breit abgestützten und fundierten Beitrag an die politische Diskussion und setzt Impulse für die anstehenden Weichenstellungen in Bezug auf die benötigten Leistungen und deren Finanzierung im «Betreuten Wohnen». Sie zeigt auf, was «Betreutes Wohnen» erfüllen muss, um die individuellen Bedürfnisse abzudecken, damit es nicht früher als nötig zu Heimaufenthalten kommt. Herzstück der Studie ist ein Modell mit vier Stufen, welches die Bedürfnisse der Menschen im Alter und mit Behinderung in den Vordergrund stellt. Gestützt auf die am häufigsten benötigte Unterstützung definiert sie entsprechende Leistungen. Durch die Beschreibung von unterschiedlichen Versorgungsgraden lässt sich «Betreutes Wohnen» in vier Stufen einteilen (A–D), wobei «Betreutes Wohnen» der Kategorie D das kleinste Leistungsangebot bietet und jenes der Kategorie A das umfangreichste. Bei der Entwicklung dieses für die Schweiz neuen Modells stand die Frage im Zentrum, welche Menschen in welchen Situationen mit welchem Ziel durch «Betreutes Wohnen» weiterhin möglichst selbständig und selbstbestimmt leben können.

Damit haben die Branchenverbände wertvolle und zuverlässige Grundlagen für die politische Diskussion erarbeitet. Und diese wird demnächst mit der Beratung der Motion «Ergänzungsleistungen für Betreutes Wohnen» in der zuständigen Kommission des Ständerates fortgesetzt. Der Vorstoss verlangt unter anderem, dass ein auf die Bedürfnisse ausgerichtetes Angebot gesetzlich festgelegt wird. Die Branchenverbände hoffen, dass die Politik die Studie der Branchenverbände aufnehmen und mit der Annahme der Motion einen weiteren, wichtigen Meilenstein zur Förderung des «Betreuten Wohnens» beschliessen wird.

www.curaviva.ch/Fachinformationen/Studien

DR. DANIEL HÖCHLI, Direktor CURAVIVA Schweiz



HEIME & SPITÄLER 2 MAI 2019