Highlights der DMEA 2019

Mit zunehmender Digitalisierung der medizinischen Einrichtungen rücken die klinischen Versorgungsprozesse bei den IT-Anwendungen für das Gesundheitswesen immer stärker in den Fokus. Die DMEA-Highlights führender Anbieter stellen wir hier vor.

▶ PAULA WIKSTRÖM

Cerner: Auf dem Weg zu Smarter Care
«Für eine verbesserte Versorgung ist es entscheidend, dass vorhandene Daten analysiert und daraus neue Informationen gewonnen werden können», betont Cerner Deutschland Geschäftsführer und General Manager Central & Eastern Europe Stefan Radatz. Um eine solche intelligente Datennutzung oder «Smarter Care» zu ermöglichen, hat Cerner das Cerner Ecosystem gegründet, in dessen Rahmen ausgewählte Partner eng und möglichst konform zu internationalen Standards an die Cerner-KIS-Lösungen angebunden werden. «Bei Smarter Care geht es im ersten Schritt darum, das medizinische Personal mit validen Informationen zu versorgen, von Routinearbeiten zu entlasten und vor allem den Patienten enger in die Behandlung einzubinden. Das Cerner Ecosystem ist im Grunde ein Abbild des Informationsflusses und der Informationsverarbeitung im Behandlungsprozess, der Versorgungsgrenzen überwindet und das medizinische Personal bei seiner Arbeit noch besser unterstützen soll – über die Grenzen des Spitals hinweg», so Radatz. So sind Patienten bei der Anwendung m.Doc, die auf der DMEA 2019 gezeigt wird, in der Lage, schon ausserhalb der Klinik Daten zu erfassen und auch während oder nach der Behandlung ein persönliches Tagebuch zu führen. Ein weiteres Beispiel ist Ka-PITO IPSS, eine Lösung für Infektionsprävention und Surveillance, die dazu beiträgt, Infektionen oder eine Sepsis frühzeitig zu erkennen.

Agfa HealthCare: Patient wird zum handelnden Subjekt
Das Unternehmen Agfa HealthCare präsentiert auf der DMEA 2019 eine Vielzahl Module für seine neue KIS-Plattform ORBIS U: «Wir sind im vergangenen Jahr mit unserem ORBIS KIS unter neuer U-Technologie erfolgreich im Markt gestartet und werden die Entwicklung im Jahr 2019 und darüber hinaus konsequent weiterführen», betont Winfried Post, General Manager und Geschäftsführer DACH von Agfa HealthCare. Zu den auf der DMEA in den Vordergrund gerückten Tools gehört ein neues Ressourcenmanagement: «Dabei handelt es sich um ein Planungswerkzeug, mit dem Krankenhäuser wichtige Ressourcen, die im Laufe eines Patientenaufenthalts benötigt werden – wie OP-Säle, Operateure, Betten oder Grossgeräte – automatisiert in ORBIS verplanen können. Mit diesem Tool werden wir bald bei einem ersten Kunden in den Echtbetrieb gehen. Ganz wichtig ist die neue Produktfamilie für die Pflegedokumentation und die Pflegeprozessplanung, ORBIS Nursing. Hier haben wir ja bereits vor einem Jahr einen ersten Einblick gegeben. Diese Produktfamilie ist jetzt vollständig und kann komplett ausgeliefert werden. Das ist sehr relevant, weil wir 600 bis 700 Kunden haben, die die bisherige Anwendung nutzen und die nun auf die neue Technologie migrieren können. Eng damit verknüpft ist die ORBIS Patientenkurve, die jetzt nahezu vollständig ist und auch die bestehende Fieberkurve ersetzen.» Auf eine systematische Einbindung des Patienten zielt die KIS-unabhängige Integrated Care Plattform Engage Suite, die es Kliniken erlaubt, Online-Dienste aller Art zur Verfügung zu stellen. Im Detail berichtet wird unter anderem über ein Projekt am UKSH in Lübeck, bei dem ein «digitales Onboarding» realisiert wurde, das durch weitere Online Use Cases ergänzt werden kann.

CompuGroup Medical SE: Wie Telematikanwendungen in die Versorgung kommen
Die Anbindung von Arztpraxen, Spitälern und nicht zuletzt Patientinnen und Patienten an die sichere Telematikinfrastruktur des Gesundheitswesens sowie den konkreten Einsatz der ersten medizinischen Telematikanwendungen stellt die CompuGroup Medical SE (CGM) in den Vordergrund ihres Auftritts auf der DMEA 2019. Beim Konnektor-Rollout solle es nicht bleiben, betont Uwe Eibich, CGM-Vorstandsmitglied und Leiter des Segments Telematik und eHealth-Plattformen: «Wir gehen davon aus, dass es im Herbst 2019 ein Konnektor-Update geben wird, mit dem dann Notfalldaten und Medikationsplan auf die eGK der Patienten gebracht werden können. Dieses Update enthält dann auch die Qualifizierte Elektronische Signatur und wird damit die Grundlage für weitere medizinische eHealth-Anwendungen wie das eRezept.» Einen Fokus legt die CGM auf der DMEA 2019 auch auf ihre elektronische Patientenakte CGM LIFE. Im Spitalbereich steht das Klinikinformationssystem CGM CLINICAL im Vordergrund. «Hier haben wir als neues Thema unser OP-Management im Gepäck, das jetzt in den ersten Häusern in Deutschland und Österreich installiert wurde. Dabei geht es um die Integration der OP-Prozesse mit angrenzenden Bereichen wie Medikation, Diagnostik und Pflege, ausserdem um die effiziente OP-Planung und das OP-Controlling», so Eibich.

Telekom Healthcare Solutions: Akteninfrastruktur und Telemedizin zusammen denken
Die Deutsche Telekom konzentriert sich auf der DMEA 2019 unter anderem auf das Cloud-Computing, den mobilen Zugriff auf das Krankenhausinformationssystem iMed-One sowie auf den Aufbau der Telematikinfrastruktur unter spezieller Berücksichtigung von Mehrwertanwendungen wie digitalen Fallakten und telemedizinischen Versorgungsszenarien. «Wir zeigen, wie sich durch Einbindung telemedizinischer Services integrierte Versorgungsszenarien realisieren lassen, die keine digitalen Insellösungen sind, sondern mit den Informationssystemen der Leistungserbringer interagieren», so Mark Düsener, Leiter Telekom Healthcare Solutions. Beispielhaft darstellen wird das Unternehmen diese Integration am Beispiel Ostsachsen, wo die Deutsche Telekom eine Plattform für eine integrierte Versorgung von Patienten mit Herzinsuffizienz, Schlaganfall und Parkinson geschaffen hat, auf der jetzt auch ein telemedizinisches Antibiotikakonsil läuft. Ein weiteres Kernthema sind nachhaltige Sicherheitskonzepte, bei denen die Sicherheit aktiv gemanagt wird, statt sich nur auf eine Firewall zu beschränken.

ID GmbH & Co. KGaA: Terminologieserver auf dem Weg in die Anwendung
In Zeiten, in denen alle über Künstliche Intelligenz (KI) reden, sollte auch über Sprache und Verständnis medizinischer Inhalte gesprochen werden: «Mit Terminologieservern lassen sich die Ergebnisse selbstlernender Algorithmen verbessern und ihre Einsatzszenarien erweitern. Ein Terminologieserver ist der Ausweg aus dem Dilemma, in dem die KI steckt: eine Möglichkeit, die Grenzen der reinen Mustererkennung zu überwinden», sagt André Sander, Entwicklungsleiter Software und Mitglied der Geschäftsführung bei der ID GmbH & Co. KGaA. Um diesen Brückenschlag voranzutreiben, kooperiert ID mit Forschungspartnern im Bereich KI. Dass medizinische Einrichtungen schon heute stark von einem Terminologieserver wie ID LOGIK profitieren, zeigt ID bei der DMEA 2019. Einen Schwerpunkt bildet das Clinical Context Coding, bei dem es darum geht, mit Blick auf die Codierung medizinische Dokumente zu lesen und zu verstehen. Über eine automatisierte Identifizierung vorhandener Codierungen können zudem MDK-Anfragen zügiger beantwortet werden. Als DMEA-Neuerung präsentiert ID ausserdem ein neues Application Programming Interface (API) auf Basis von FHIR, mit dem der Terminologieserver noch besser mit IT-Systemen aller Art verknüpft werden kann.

medatixx: Ambulanz- und Praxissoftware als Multitalent
Medatixx macht auf der DMEA 2019 Softwarelösungen für Klinik-MVZ und Spitalambulanzen zu einem der Messeschwerpunkte. «Unsere Software x.vianova ist eine der erfolgreichsten Ambulanz-/ MVZ-Lösungen im Markt, und wir wollen die DMEA-Besucher gerne darüber informieren», sagt medatixx-Geschäftsführer Jens Naumann. «So haben wir für einige Klinikketten eine grössere Anzahl MVZ ausgestattet und in diesem Zusammenhang unsere Software dahingehend weiterentwickelt, dass sie über mehrere Praxen und Standorte hinweg auf einer Datenbasis betrieben werden kann. Wir können regionale Verbünde abbilden und haben sehr viel Know-how gesammelt.» Die Lösung x.vianova bedient ein breites Spektrum typisch «klinischer» IT-Anforderungen, etwa einen Rechenzentrumsbetrieb und einen übergreifenden Order Entry. Gleichzeitig hat der Kunde alle Vorteile, die eine speziell für den ambulanten Kontext entwickelte Software gegenüber sonstigen Ambulanz- und MVZ-Modulen besitzt. Als Neuerung präsentiert medatixx auf der DMEA 2019 das gemeinsam mit Patientus entwickelte integrierte Videosprechstundenmodul x.onvid, das die Videosprechstunde unter anderem mit den Terminplanungsfunktionen der medatixx-IT-Systeme verknüpft. Ein wichtiges Thema ist für medatixx auf der DMEA 2019 ausserdem die Integration elektronischer Gesundheits- und Patientenakten.

Meierhofer AG: Optimaler Rollout in Klinikgruppen
Der Spitalmarkt konsolidiert sich. Klinikketten und (über)regionale Klinikverbünde werden immer wichtiger. Die Meierhofer AG thematisiert auf der DMEA 2019 deswegen den Rollout klinischer Informationssysteme in Klinikgruppen. Damit hat das Unternehmen in den letzten Jahren unter anderem bei Kunden wie Hirslanden, Asklepios oder MediClin viel Erfahrung gesammelt. «Ein Rollout in Klinikgruppen muss eine gewisse Geschwindigkeit haben. Gleichzeitig sind aber auch bei gleicher Trägerschaft die einzelnen Häuser unterschiedlich. Wir erarbeiten deswegen bei einem Rollout unseres M-KIS gemeinsam einen für alle Häuser geltenden Blueprint. So werden die speziellen Bedürfnisse der unterschiedlichen Häuser von Anfang an mitbedacht», betont Matthias Meierhofer, Vorstandsvorsitzender der Meierhofer AG, und gibt Einblick in die Geheimnisse eines erfolgreichen Rollouts: «Am Ende will jedes Krankenhaus durch die Digitalisierung Effizienzen und Produktivität steigern. Wer dabei analoge Prozesse einfach nur digital abbildet, verschenkt Chancen. Ein Klinikum sollte die Digitalisierung auch als Anlass zur Restrukturierung sehen. Es gilt, existierende Prozesse genau zu analysieren und zu überlegen, wie sie sich IT-seitig optimal umsetzen lassen. Das können einfache Dinge sein, etwa die Frage, wie die Dokumentenfreigabe organisiert wird. Brauche ich wirklich jedes analoge Häkchen an einem Befund auch digital, oder lässt sich die Kenntnisnahme anders umsetzen? Das Geheimnis eines erfolgreichen Rollouts ist also, die Digitalisierung nicht als reines IT-Projekt zu sehen. Nötig ist ein Change-Management-Bewusstsein auf Kundenseite. Einen weiteren Messeschwerpunkt setzt die Meierhofer AG bei der Tele-Intensivmedizin. «Als webbasiertes PDMS ist unser M-PDMS für Tele-Zugriffsszenarien sehr gut geeignet», so Meierhofer. Wie die konkrete Umsetzung aussieht, zeigt das Unternehmen am Beispiel des Zollernalb Klinikums, das für ein Tele-Intensivmedizinszenario mit dem Universitätsklinikum Tübingen kooperiert.

DMEA
Die conhIT – Connecting Healthcare IT, Europas grösstes Event der Gesundheits-IT-Branche – erhält nach elf Jahren einen neuen Namen: DMEA - Connecting Digital Health. Rund 10 000 Besucher und etwa 600 Aussteller werden vom 9. bis zum 11. April auf dem Messegelände Berlin erwartet. Ziel der DMEA ist es, die fachrichtungs- und sektorenübergreifende digitale Vernetzung im Gesundheitswesen zu fördern.

Paula Wikström
, Redaktion Heime & Spitäler



HEIME & SPITÄLER 1 MÄRZ 2019