«Die Anforderungen an das Personal werden deutlich wachsen!»

Matthias Rüegg ist seit zehn Jahren Direktor der Stiftung Juventus Schulen, die 2018 ihr 100-Jahr-Jubiläum feierte. Neben den Geschäftsbereichen Maturitätsschule, Wirtschaftsschule und Technikerschule HF hat die medizinische Schule innerhalb von Juventus die grösste wirtschaftliche Bedeutung. Kürzlich wurde die wittlin stauffer AG übernommen, die sich auf die Aus- und Weiterbildung von Führungspersonen im Gesundheitsbereich spezialisiert hat.

▶ INTERVIEW: FLORIAN FELS

Herr Rüegg, beschreiben Sie bitte das Profil der Juventus Schule für Medizin?
Matthias Rüegg: Die Juventus Schulen sind bereits seit Mitte des letzten Jahrhunderts sehr erfolgreich in der Aus- und Weiterbildung von Medizinischen Praxisassistentinnen tätig. Dank dem über Jahrzehnte erworbenen Erfahrungsschatz geniessen wir als Berufsfachschule für medizinische und tiermedizinische Assistenzberufe hohes Ansehen. Und mit der Übernahme der Woodtli Schulen 2009 wurde ein Kompetenzzentrum für Medizinische Assistenzberufe aufgebaut.

Was ist das besondere an Ihrem Ansatz?
Ganz klar die praxisnahe Ausbildung und stetige Innovation. Damit haben wir uns zum führenden Anbieter entwickelt. Und die Qualität unserer Ausbildungen basiert auf hervorragenden Lehrpersonen und dem effizienten und erfolgreichen Einsatz von webbasiertem Unterrichts- und Prüfungsmaterial.

Gibt es etwas, was in der Entwicklung der Schule aus heutiger Sicht hätte besser laufen können?
Wenn es möglich gewesen wäre, hätten wir bereits früher gerne eine eidgenössisch anerkannte Berufsprüfung als Weiterbildungsmöglichkeit für Medizinische Praxisassistentinnen angeboten. Leider haben verschiedene Einsprachen die Anerkennung verzögert.

Welche Ausbildung ist besonders stark gefragt?
Medizinische Praxiskoordinatorinnen (MPK) gewinnen in Gruppen- und Gemeinschaftspraxen zunehmend an Bedeutung. Ihr Einsatz führt zu spürbaren Verbesserungen in den Praxen und Kliniken: bessere Betreuungsqualität für die Patientinnen und Patienten, Entlastung der Ärzte und motivierte, selbstständigere Mitarbeitende – administrativ und klinisch. Die Delegation von bisher ärztlichen Aufgaben, bei ausgewählten Patientinnen und Patienten, durch die Ärztin bzw. den Arzt an die MPK steigert die Effizienz im Versorgungssystem und senkt die Behandlungskosten merklich.

Erst kürzlich haben Sie die wittlin stauffer AG übernommen. Warum?
Wittlin stauffer ist ein hervorragend positionierter Anbieter für Führungsausbildungen im Gesundheitsbereich. Ein Bereich, der uns bisher gefehlt hat. Mit dem Zusammenschluss von wittlin stauffer und den Juventus Schulen ist die Juventus Schule für Medizin zum schweizweit führenden medizinischen Kompetenzzentrum geworden.

Es heisst, die Integration von wittlin stauffer sei abgeschlossen. Wie sieht diese genau aus?
Ich rede eigentlich lieber von einem partnerschaftlichen Zusammenschluss unter dem Dach der Juventus Schulen. Die wittlin stauffer AG wird als eigener Brand weitergeführt und die Gründer Peter Wittlin und Markus Stauffer bleiben der Schule erhalten. Sicher können wir als Juventus Schulen viele Prozesse unterstützen. Die Ausbildungen werden in der bisher erfolgreichen Art weitergeführt.

Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?
Einerseits möchten wir gerne die Führungsausbildungen erweitern. Andererseits möchten wir unseren Medizinischen Praxisassistentinnen neue Weiterbildungsmöglichkeiten für ihre berufliche Karriere eröffnen. Das hohe Qualitätsverständnis von wittlin stauffer und die vielfältigen didaktischen und technischen Möglichkeiten der Juventus Schulen werden sich dabei vorzüglich ergänzen. Der Unterricht in der Juventus Schule für Medizin wird von praxiserfahrenen Dozenten erteilt, die an der Entwicklung der Lehrmittel und der elektronischen Übungen des jeweiligen Lehrgangs selber beteiligt sind. Damit sind die Aktualität und der Praxisbezug jederzeit gegeben.

Sind weitere Zukäufe im Gesundheitsbereich geplant?
Nein, das steht jetzt nicht auf der Agenda. Zusammen mit wittlin stauffer sind wir gut gerüstet, um nachhaltiges Wachstum aus eigener Kraft zu erzielen.

Welche Herausforderungen bestehen für die Aus- und Weiterbildung im Gesundheitsbereich?
Unser Gesundheitssystem steht vor grossen personellen und finanziellen Herausforderungen. Die Anforderungen an das Personal werden im technischen und betreuerischen Bereich deutlich wachsen, was von den steigenden Lebenserwartungen und der Digitalisierung zusätzlich befeuert wird. Besonders die Digitalisierung wird grosse Veränderungen in die Arbeitswelt bringen, gerade auch im organisatorischen Bereich der Arztpraxen und der Kliniken. Wir von den Juventus Schulen sehen in den Bereichen Assistenz und Führung im Gesundheitswesen ein grosses Potenzial an sinnvollen Weiterbildungsmöglichkeiten, die wir mit dem Zusammenschluss mit der wittlin stauffer AG unter einem Dach anbieten können.

Was ist bei der digitalen Aus- und Weiterbildung zu beachten?
Damit die Digitalisierung zur gewünschten Effizienzsteigerung führt, gilt es, die Möglichkeiten des digitalen Austauschs zu vereinfachen. Aus- und Weiterbildung sollten nicht nur den Umgang mit digitalen Medien schulen, sondern spezifische Handlungskompetenzen vermitteln, welche die Potenziale der digitalen Medien einbeziehen. Dank der Zusammenarbeit mit unseren Partnerschulen Schweizerisches Institut für Betriebsökonomie SIB und der Hochschule für Wirtschaft Zürich HWZ können verschiedene Ausbildungen mit eidgenössisch geschützten Hochschultiteln abgeschlossen werden.

Herr Rüegg, wir danken Ihnen für das Gespräch.



HEIME & SPITÄLER 4 OKTOBER 2018