Bettgeflüster aus Dänemark

Careturner ist ein neues Produkt aus Dänemark, das bei Patienten automatisch einen Wechsel der Liegeposition bewirkt und die Pflegenden bei der täglichen Arbeit unterstützt, wenn Patienten im Bett bewegt werden müssen. Die Erfahrungsberichte aus Pflegeheimen sind positiv.

▶ FLORIAN FELS

Der erste Preis der Start-up Challenge der Messe Altenpflege 2018 ging an das dänische Unternehmen GDV Technology für sein Produkt Careturner. Es ist ein neues Hilfsmittel gegen eines der häufigsten Probleme in Spitälern und Heimen – Schmerzen und Wunden, insbesondere Druckgeschwüre, die durch zu langes Liegen in einer Position hervorgerufen werden. Es handelt sich um eine patentierte Lösung, die in Zusammenarbeit mit dänischen Ärzten, Krankenschwestern und Experten entwickelt wurde. Bisher ist das Produkt nur in Skandinavien im Einsatz. Viele Pflegebedürftige müssen einen grossen Teil ihrer Zeit im Bett verbringen. Das macht sie anfällig für Druckgeschwüre, in der Fachsprache Dekubitus genannt. Sie entstehen, wenn sich Patienten stundenlang in derselben Haltung befinden. Dadurch lastet für lange Zeit ein ständiger Druck auf bestimmten Körperstellen. Irgendwann sind die Haut und das darunterliegende Gewebe schlecht durchblutet und mit zu wenig Sauerstoff versorgt – das Areal nimmt Schaden. In Schweizer Spitälern treten nach aktuellen Erhebungen bei mehr als 4 Prozent der Patienten Druckgeschwüre auf, in Alters- und Pflegeheimen geben rund 25 Prozent der Bewohner an, unter Schmerzen zu leiden, weil sie im Bett zu lange in derselben Position ausharren. Rund 90 Prozent des Behandlungsaufwands von Dekubitus entsteht durch Tätigkeiten der Pflegenden, die Behandlung ist also sehr personalintensiv. Genau bei diesem Problem setzt Careturner an.

Hilfe für Patienten – Entlastung für die Pflege
Careturner ist ein medizinisches Gerät, das problemlos unter der Matratze auf einem normalen medizinischen Bett installiert werden kann und in Verbindung mit den vorhandenen Bewegungsmöglichkeiten der Betten funktioniert. Bei bisherigen Tests in Dänemark wurden Pflegebetten von Invacare und Stiegelmeyer verwendet.

Das Gerät funktioniert in zwei verschiedenen Modi:
1. Manueller Modus: Der Patient wird per Knopfdruck von einer Seite zur anderen bewegt, um das Pflegepersonal bei den täglichen Umstell- und Handhabungsvorgängen zu unterstützen. Wo bisher oft zwei Pflegende notwendig waren, um einen Patienten zu drehen, kann mit dem Careturner eine Person alleine die Aufgabe durchführen. Im manuellen Modus können die Flügel unter der Matratze, die die Bewegungen verursachen, je nach Bettgrösse bis zu 80 Grad angehoben werden.
2. Automatischer Modus: Die Steuereinheit verfügt über eine vorprogrammierte Einstellung und Optionen für zwei zusätzliche Programme, die von der Pflegeperson ausgewählt werden können. Der automatische Modus eignet sich besonders für die Nacht. Mit sanften Bewegungen werden Positionswechsel erreicht, beispielsweise jede Stunde. Das Gerät funktioniert sehr leise und ohne Vibration, sodass die Patienten ungestört schlafen können. Im Automatikmodus werden die Flügel aus Sicherheitsgründen nur bis zu maximal 30 Grad angehoben. Careturner ist bereits TÜV-geprüft und zugelassen mit einem Patientengewicht von bis zu 165 Kilogramm.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten
Für folgende Fälle ist Careturner geeignet:

  • Immobile Patienten, die Gefahr laufen, Dekubitus zu entwickeln
  • Bewohner zu Hause und in Pflegeheimen
  • Patienten in Krankenhäusern und Hospizen
  • Patienten mit Demenz
  • Bariatrische Patienten
  • Patienten auf Intensivstationen
  • Chronisch behinderte Patienten, die beispielsweise an Rheumatismus, Sklerose oder Hirnverletzung leiden

Careturner arbeitet in Verbindung mit den vorhandenen Bettbewegungen in Standard-Pflegebetten.

Referenz Gemeinde Rødovre
Im Seniorenzentrum Broparken in Rødovre, einem Pflegeheim mit 78 Bewohnern, wurde der Careturner in Verbindung mit einem Bett von Invacare getestet. Das Urteil der Evaluation fiel positiv aus: Die Technologie – der Careturner und ein Bettenseitenschutz – konnte ohne Umbau oder Kauf anderer Produkte verwendet werden. «Das Produkt bedeutet, dass wir eine bessere Versorgung mit weniger Ressourcen bieten können, da wir Druckgeschwüre vermeiden können, die sehr teuer in der Behandlung sind, und der Nachtdienst benötigt keine Zeit mehr für Lagenwechsel», heisst es in dem Bericht. «Bei drei von vier Bewohnern führte der Einsatz des Careturners zu geringeren Rückenproblemen. Die Bewohner hatten eine bessere Nachtruhe ohne Unterbrechungen und waren deshalb auch imstande, ausgeruht an den täglichen Beschäftigungen teilzunehmen.» Die Evaluation für die Gemeinde schloss mit folgender Empfehlung: «Aufgrund der guten Erfahrungen ist es ratsam, dass der Careturner ein festes Angebot für ältere und behinderte Bürger in der Gemeinde Rødovre wird.»


Vier Fälle aus der Evaluation der Gemeinde Rødovre

  • Ein Mann mit den Folgen eines Schlaganfalls. Er ist linksseitig gelähmt und sitzt im Rollstuhl. Laut der Pflegenden war er vor dem Test nachts sehr unruhig. Er rief oft den Nachtdienst und man benötigte zwei Personen, um ihn zu drehen. Er war die meiste Zeit des Tages unpässlich, konnte nicht stehen und sich nicht auf seine Beine stützen. Für Aktivitäten und Mahlzeiten war er in der Regel nicht wachzuhalten. Der Careturner wurde so eingestellt, dass er einmal stündlich die Position änderte, sodass der Mann nachts nicht mehr vom Nachtdienst geweckt werden musste. Mit der Unterstützung von Careturner haben sich seine Schlafzeiten deutlich verlängert. Es gibt immer noch Nächte, in denen der Patient schlecht schläft, aber nicht im selben Ausmass wie vorher. Seine Lebensqualität hat sich dadurch verbessert. Er nimmt an Aktivitäten und Mahlzeiten teil, kann stehen und sich selbst versorgen. Nach Abschluss des Tests hat er den Careturner behalten und ist damit zufrieden.
  • Eine ältere Frau leidet an Parkinson. Sie ist relativ unbeweglich und geht mit der Hilfe eines Rollators. Sie hatte aufgrund von Rückenschmerzen eine Periode mit schlechtem Schlaf. Der Careturner wurde so eingestellt, dass alle 75 Minuten die Position geändert wurde. Nach der ersten Nacht ging es ihr besser, aber da sie Schwierigkeiten mit Veränderungen hat und nicht mit dem Bett zufrieden war, kehrte sie zu ihrer alten Lösung zurück, obwohl sie mit dem Carturner keine Rückenschmerzen mehr hatte.
  • Eine ältere Frau mit Demenz im Endstadium. Sie schläft in Embryonalstellung und hatte Druckgeschwüre am Gesäss. Man hoffte, dass das Bett mit dem Careturner die Wunde entlasten könnte, sodass sie nicht grösser wurde. Das Bett wurde so eingestellt, dass jede halbe Stunde die Position geändert wurde, aber es stellte sich heraus, dass die Wunde wegen der Körperhaltung nicht ausreichend entlastet wurde.
  • Ein älterer Mann mit den Folgen eines Schlaganfalls. Der Mann sitzt im Rollstuhl, wird schnell müde, das Liegen im Bett verursacht bei ihm Rückenschmerzen. Der Careturner wurde so eingestellt, dass sich durch die ganze Nacht hindurch jede halbe Stunde die Position änderte. Schon nach der ersten Nacht erzählte der Mann, dass er gut geschlafen habe und er keine Rückenschmerzen mehr habe. Anschliessend wurde der Careturner als permanente Lösung erworben.


Der Careturner wird voraussichtlich knapp 5000 Franken kosten. Interessenten aus der Schweiz können folgenden Kontakt nutzen: E-Mail: info(at)gdvtech.com ,Telefon +4520978115.



HEIME & SPITÄLER 4 OKTOBER 2018