Ferndiagnose per Foto

Die Dermatologie eignet sich wie kaum eine andere medizinische Disziplin für eine Ferndiagnose per Bild. Mit modernen Smartphones lassen sich Veränderungen der Haut aussagekräftig abbilden. Diese Tatsache macht sich das St. Galler Start-up OnlineDoctor zunutze und bietet einen Service besonders für Heime und Spitäler ohne eigene dermatologische Abteilung an.

▶ FLORIAN FELS

Einer der Gründer von OnlineDoctor ist der Dermatologe Paul Scheidegger. Er hat in Brugg eine eigene Praxis und betreut am Kantonsspital Baden (KSB) als Konsiliararzt regelmässig Patienten. Fast täglich bekommt er aus dem KSB über die Plattform onlinedoctor.ch Bilder gemailt, die beispielsweise Ekzeme, Warzen, Muttermale oder Formen von Herpes zeigen. «Für mich ist das eine enorme Arbeitserleichterung», sagt Arzt Scheidegger. «90 Prozent der Fälle, die ich behandle, sind zum Glück Bagatellen. Unproblematische Muttermale oder einfache Hautveränderungen, die sich gut mit einer entsprechenden Crème therapieren lassen. Nichtsdestotrotz beanspruchen auch diese Fälle Zeit. Meine und auch die der Patienten. Vor allem dann, wenn die Patienten extra zu mir in die Praxis kommen.» Die Vorteile dieser Vorgehensweise liegen auf der Hand. Es ist auch im Interesse der Spitäler, dass Patienten mit dermatologischen Problemen schnell behandelt werden. Ein Bild mit dem Smartphone genügt in der Regel für eine aussagekräftige Erstdiagnose. Für Paul Scheidegger ist es vorteilhaft, die Bilder vorab in seiner Praxis zu begutachten und einen Therapievorschlag abzugeben. Und er weiss genau, was ihn erwartet, wenn er wie jede Woche am Freitag ins KSB kommt und den Patienten am Spitalbett begegnet, zu deren dermatologischen Problemen er sich im Vorfeld bereits informieren konnte.

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So funktioniert’s fürs Spital
Das KSB ist Entwicklungspartner von onlinedoctor.ch, aber die Plattform steht auch anderen Institutionen offen. Für interessierte Spitäler oder Alters- und Pflegeheime funktioniert das Ganze kinderleicht: Das Spital wählt zunächst auf der Plattform einen Wunscharzt aus. Derzeit sind knapp 40 erfahrene Dermatologen auf onlinedoctor.ch angeschlossen. In einem zweiten Schritt macht ein Mitarbeiter drei Fotos der zu untersuchenden Hautstelle und schickt diese Bilder verschlüsselt zum Arzt. Innerhalb von maximal 48 Stunden erhält das Spital dann vom Dermatologen konkrete Handlungsempfehlungen. Diese Erstdiagnose kostet zurzeit 55 Franken. Für die hochstehende fachärztliche Einschätzung bezahlt das Spital also nur dann, wenn es eine Diagnose wirklich benötigt, erhält eine schnelle erste Analyse seiner Probleme und das mit einer rechtlich sauberen Lösung. Datenschutz wird grossgeschrieben, die Daten werden auf einem eigens eingerichteten Server gesichert und sind nur für ausgewiesene Personen abrufbar.

Positionierungs-Chance für Spitäler und Kliniken

Das Angebot von onlinedoctor.ch ist nicht nur für Institutionen ohne eigene dermatologische Abteilung interessant. Auch für solche mit eigener dermatologischen Abteilung könnte die Plattform eine Chance bedeuten. Sie können sich bewusst für solche Online-Anfragen positionieren und ihre bestehenden Kapazitäten auf einem weiteren Vertriebsweg völlig ortsunabhängig anbieten. Sie präsentieren sich dadurch als moderner, digitaler Gesundheitsanbieter und ziehen möglicherweise Patienten an, die sonst nicht zu ihnen kommen würden. Zudem winken interessante Zusatzerlöse. Das Gleiche gilt für niedergelassene Dermatologen, sie können ihren Vertriebskanal erweitern.

Wer interessiert ist, mit onlinedoctor.ch zu kooperieren, soll sich einfach melden. Kontakt über die Webseite onlinedoctor.ch.



HEIME & SPITÄLER 3 AUGUST 2018