Es ist Zeit, mitzugestalten


Die Digitalisierung des Gesundheitswesens und die damit einhergehenden eHealth-Entwicklungen verändern die Pflegepraxis nachhaltig. Der Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner hat 2016 die Kommission «eHealth und Pflege» gegründet, die die Umsetzung von eHealth im Interesse der Profession Pflege mitgestaltet.

Christelle Progin*

Es gehört seit Jahren zu den Aufgaben des Schweizerischen Berufsverbands der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK), die Pflege zu stärken und weiterzuentwickeln. Der SBK befasst sich dahingehend mit Fragen zu strukturierten Daten, mit Pflegefachsprachen und Pflegeklassifikationen sowie mit dem Umgang und der Verarbeitung elektronischer Daten. eHealth soll durch den Einsatz digitaler Medien die Gesundheit der Menschen stärken oder erhalten. Nicht nur erleichtert eHealth die Verfügbarkeit gesundheitsrelevanter Informationen, sondern auch die Vernetzung zwischen verschiedenen Stakeholdern sowie den interprofessionellen und interinstitutionellen Informationsaustausch. Bestehende Dienstleistungen werden digitalisiert, neue entstehen. Frances Hughes, die Geschäftsführerin des International Council of Nurses (ICN), sagt zum Potenzial von eHealth: «Die neuen Technologien schaffen die Voraussetzungen für einen erweiterten Zugang zur Gesundheitsversorgung, gerade auch für Menschen, die in abgelegenen Gebieten leben. Sie ermöglichen eine bessere Betreuung und eine höhere Patientensicherheit.» eHealth betrifft folglich die Pflegepraxis und deren interprofessionelle Positionierung im Gesundheitswesen.

SBK-Kommission «eHealth und Pflege», v. l.: Dieter Baumberger, Michael Kleinknecht, Beatrice Gehri, Yvonne Frick, Friederike J. S. Thilo, Susanna Bürki Sabbioni (Präsidentin), Alain Junger, Ueli Wehrli, Dante Cheda, Christelle Progin (Kontaktperson).

Chancenreich und herausfordernd für Pflege
Diese Entwicklungen bergen für die Pflegepraxis Chancen, aber auch Herausforderungen: eHealth kann für die interprofessionelle Zusammenarbeit nützlich sein: Statt Patientendaten durch einen Kommunikationskanal von A nach B zu schicken, wird die Information einmal, nämlich im elektronischen Patientendossier (EPD), abgelegt und die an der Behandlung beteiligten Stellen können darauf zugreifen. Durch das EPD können sich auch neue Berufsrollen ergeben: Pflegefachpersonen, die auf die Verwaltung des EPD spezialisiert sind, können etwa in der Beratung eingesetzt werden. Zudem eröffnen sich durch die technologisch unterstützte Pflege ganz neue Dienstleistungsmöglichkeiten mit positivem Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten: etwa Apps, welche das Selbstmanagement von Patienten mit chronischen Erkrankungen unterstützen, oder mobiles Monitoring gesundheitsrelevanter Parameter durch professionelle Dienstleister. Sie ermöglichen chronisch kranken Menschen eine zeitliche und örtliche Unabhängigkeit in ihrer Alltagsgestaltung. Ein weiteres neues Projekt beinhaltet die Entwicklung eines greifbaren interaktiven Fensters für ältere Menschen. Hierbei können Klienten der Spitex die Pflegefachperson durch Klopfzeichen virtuell anrufen. Eher isolierten Menschen bietet sich eine soziale und emotionale Unterstützung und die schnelle Kontaktaufnahme zu Pflegefachpersonen.

Um aus den neuen Möglichkeiten einen Mehrwert zu erzielen, ist weniger ein überragendes technisches Verständnis notwendig als vielmehr eine prozessorientierte Denkweise. Herausfordernd ist die Anwendung der entsprechenden Technologien. Wichtig ist auch, dass Pflegefachpersonen einen kritischen Blick gegenüber den verfügbaren technischen Werkzeugen entwickeln und diese mit Bedacht und gezielt einsetzen. Weiter verlangen die neuen Technologien eine Reflexion der Rolle der Pflegefachpersonen: Inwiefern sollen Patienten durch Pflegefachpersonen bei der Eröffnung und Nutzung eines EPD unterstützt werden? Wie verändert sich überhaupt die Beziehung zu den Patienten? Zudem sind Pflegefachpersonen gefordert, die Informations- und Kommunikationstechnik selbstständig in den Praxisalltag und in die bestehenden Arbeitsabläufe integrieren. Dies ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass die damit einhergehenden Anwendungen ihren potenziellen Mehrwert entfalten können.

SBK beschäftigt sich aktiv mit eHealth
Die aufgezeigten Konsequenzen von eHealth für die Pflegepraxis verdeutlichen: Aus berufspolitischer Perspektive und im Interesse der Patienten ist es wichtig, dass sich die Pflegefachpersonen in die laufenden Diskussionen einbringen und die Entwicklung und Umsetzung von eHealth mitgestalten. Dahingehend hat der SBK im Jahr 2016 die Kommission «eHealth und Pflege» gegründet. Diese besteht aus Pflegefachpersonen mit ausgewiesener Kompetenz und Erfahrung im Zusammenhang mit der Erfassung und Abbildung der Pflege. Die Kommissionsmitglieder beraten den Zentralvorstand und vertreten den SBK in verschiedenen nationalen Gremien sowie in Projekten und an Kongressen. Bereits länger besteht die SBK-Interessengruppe Pflegeinformatik (IGPI), die sich für die Verbesserung und Sicherung der Pflegeinformatik einsetzt. Der SBK arbeitet indes mit «eHealth Suisse» und anderen Verbänden zusammen und wirkt in der interprofessionellen Arbeitsgruppe (IPAG) mit. eHealth ist von grosser fachlicher und politischer Bedeutung für die Profession der Pflege. Der SBK sorgt mit seinem Engagement dafür, dass die Pflegefachpersonen bei der eHealth-Entwicklung gehört werden und ihre Perspektive sich darin niederschlägt.

*Dipl. Pflegefachfrau FH (MScN) Wissenschaftliche Mitarbeiterin Abteilung Pflegeentwicklung SBK Geschäftsstelle Schweiz; Erstabdruck in BFH Frequenz Juni 2017

www.e-health-suisse.ch
www.sbk.ch/pflegethemen/ehealth.html
www.sgmi-ssim.ch



Heime und Spitäler Ausgabe März 1/2018