Szenarien bis 2037


Liebe Leserin, lieber Leser

An einer Gesundheitskonferenz trug sich unlängst Folgendes zu: Ein Referent mokierte sich über die aus seiner Sicht unzulängliche Spitalinfrastruktur und holte gegen Ende seiner Ausführungen verbal zum KO-Schlag aus: «Was wir unseren Patienten zumuten, ist eine Frechheit.» Worum ging es konkret? Angeprangert wurden primär Lärmimmissionen, schlechte Kommunikation und insbesondere Spitalzimmer, die seit rund 40 Jahren mehr oder weniger immer gleich gebaut werden: Sie verfügen oft über eine grelle Beleuchtung, weisen meistens die gleichen Farben auf und die Zimmereinrichtung ist oft unpraktisch konzipiert (beispielsweise die Patientenschränke und Beistelltische). Muss das sein? Wo bleiben im Zeitalter des weit entwickelten Facility Managements und Lean Hospital die Innovationen?

Um es vorwegzunehmen: Änderungen sind in Sicht. Eine neue Studie des Fraunhofer-Instituts (Abteilung Health Care Logistics) zeigt die möglichen Entwicklungen der kommenden 20 Jahre auf, welche die Organisation, die Arbeitsprozesse und mitunter auch die Spitalzimmer verändern werden. Die Studie (Seite 12) analysiert einerseits die gegenwärtige Situation und prognostiziert Szenarien für das Spital im Jahr 2027 und 2037. In zehn Jahren werden zum Beispiel das ePatientendossier oder die automatische Materialerfassung auf der Basis der technologischen Entwicklung stark fortgeschritten sein. Exemplarisch wird der Einsatz von Smart Devices zur Unterstützung der Logistik, aber auch der Hygiene und der medizinischen Behandlung sein. Ein intelligenter Transportbehälter, der neben der Ortung auch die Temperatur und Luftfeuchtigkeit misst und diese Daten in Echtzeit weitergibt, kann dabei helfen, die Qualität von Blutprodukten und Arzneimittel beizubehalten.

Das Jahr 2037 wird durch eine weitrechende Digitalisierung und Vernetzung der Bereiche und Akteure im Spital und dem Gesundheitswesen geprägt sein. Gleichzeitig werden technische Entwicklungen im Bereich der Robotik und Assistenz fortgeführt. Ein intelligentes Serviceassistenzsystem kann zur Unterstützung der Pflegekräfte eingesetzt werden. Der Serviceroboter unterstützt die Pflege bei der Aufnahme der Patienten und durch eine intelligente Sprachausgabe kann der Patient und die Pflegekraft mit dem Roboter aktiv kommunizieren. Das Bestellen und die Ausgabe der Speisen werden ebenfalls durch einen Serviceroboter erledigt.

Soviel zur Studie. Selbstverständlich können und müssen wir in den nächsten Jahren noch entscheiden, was tatsächlich umgesetzt und sinnvoll in den Spitalbetrieb integriert werden soll und was nicht. Und: Bevor wir im 2037 ankommen, wünsche ich Ihnen vorerst alles Gute fürs kommende Jahr 2018. Im Namen des ganzen Verlags danke ich Ihnen für Ihre Treue gegenüber «Heime und Spitäler» und freue mich mit Ihnen auf eine spannende Zukunft.

Christoph Hämmig
Chefredaktor



Heime und Spitäler Ausgabe Dezember 5/2017