Innovative Ideengeber


Liebe Leserin, lieber Leser

Nicht nur in der Schweiz ist das Gesundheitswesen dynamisch, auch im Norden Europas zeichnen sich spannende Entwicklungen ab. Als sehr innovativ erweist sich Holland. In der letzten Dekade wurden über 30 Spitäler neu gebaut und überzeugen mit sehr ausgefallenen Konzepten, wie unser Fachbericht auf verdeutlicht. Diverse neue Häuser befinden sich beispielsweise aufgrund neuer Medien auf dem Weg zur papierlosen Klinik und sind dabei schon recht weit fortgeschritten. Die neusten Entwicklungen gehen jedoch noch weiter: Bei Neubauten wird im Eingangsbereich immer öfter das «Self-Check-in» eingeführt und in den Zimmern die Patiententerminals durch Tablets ersetzt. Ferner werden ab Projektbeginn zusätzlich Aspekte wie Healing Environment und Lean Hospital mitberücksichtigt und mittels BIM geplant. In den genannten Bereichen ist das niederländische Gesundheitswesen dem Schweizer System mehr als eine Nasenlänge voraus.

Allerdings: Auch hierzulande gibt es interessante Ansätze. Zum Beispiel in Meiringen: Dort baut die Stiftung Alpbach gegenwärtig eine neue Generation von Alterszentrum. Spannend dabei ist, dass es sich nicht um einen Ersatzbau für ein bereits bestehendes Diensleistungsangebot handelt. Viel mehr wird ein Neubau erstellt mit 40 Betten für Menschen mit einer chronischen psychischen Beeinträchtigung, mit Demenz und/oder herausforderndem Verhalten. Die Eröffnung findet Ende Jahr statt, die konkreten Konzepte stellt Geschäftsführer Werner Walti in unserem Interview aber schon jetzt vor.

Ein weiterer Trend: In unserem Gesundheitswesen findet ein Umdenken im Bereich Arbeitsplatzgestaltung statt. Das Modell «Flex Office», das in der Privatwirtschaft immer öfters praktiziert wird, hält auch in Spitälern Einzug – wenn auch noch mit einer gewissen Zurückhaltung. Die flexible Arbeitsumgebung bedeutet in vielen Kliniken eine radikale Veränderung, die insbesondere beim medizinischen Personal häufig grosse Verunsicherung hervorruft und auf Ablehnung stösst. Doch könnte zumindest eine Neukonzeption der nicht-medizinischen Arbeitsplätze mehr als nur die offensichtlichen, wirtschaftlichen Vorteile bringen. Eine Untersuchung des Instituts für Facility Management der ZHAW hat ergeben, dass in einem untersuchten Universitätsspital die aktuell vorhandenen traditionellen Büroarbeitsplätze die häufigsten Tätigkeiten der Nutzenden nicht optimal unterstützen. Wie der Fachbericht der ZHAW verdeutlicht, wäre das mit dem «Flex Office» anders. Dass das Prinzip mit flexibel gestalteten Arbeitsplätzen im Alltag tatsächlich funktioniert, zeigen – einmal mehr – die Holländer. Dort wird das neue Modell bereits in verschiedenen Kliniken praktiziert, das medizinische Personal notabene miteingeschlossen.

Christoph Hämmig
Chefredaktor



Heime und Spitäler Ausgabe 4 Oktober 2017