Durch und durch Unternehmer


Liebe Leserin, lieber Leser

Mit dem Gesundheitswesen hatte er absolut nichts am Hut. Sein Reich war die Immobilienbranche. Bis ihm nach der Jahrtausendwende in Genf ein Spital zum Kauf angeboten wurde. Zuerst wägte er ab, spielte kurz mit dem Gedanken, die Liegenschaft für Wohnungen umzunutzen, lehnte die Offerte dann aber ab. Der Anbieter blieb hartnäckig, wurde wieder vorstellig – und nun mit Erfolg. Antoine Hubert entschloss sich, das Spital zu kaufen. Damit legte er den Grundstein für eine Unternehmens-Gruppe, welche er im Verlauf von nur 15 Jahren zum zweitgrössten Anbieter von Privatspitälern formierte. Aktuell gehören dem Swiss Medical Network 16 Kliniken an. Während unseres Interviews in seiner Zürcher Privatklinik Bethanien wird klar: Antoine Hubert ist ein Mann, der weiss, was und wohin er will (Seite 8). Und er packt an. Seine Ziele bleiben keine Versprechen, er setzt sie um. Er pflegt auch ganz unkonventionelle Methoden. So kann er ohne Weiteres aus seinem Genfer Sitz Mitarbeitende zu einem kurzfristigen Meeting in der Deutschschweiz aufbieten – und besucht sie dort mit seinem Helikopter.

Zu einer Erfolgsstory gehören Misserfolge. Auch davon bleibt der 51-Jährige nicht verschont. Erst kürzlich wollte er die Privatklinik Linde in Biel kaufen, welche dann – nach hartem Feilschen um den Preis – von Konkurrent Hirslanden übernommen wurde. Obwohl er die Linde gerne in das SMN integriert hätte, lässt sich Antoine Hubert nicht unterkriegen. Unbeirrt verfolgt er sein Ziel weiter, wonach er die Gruppe auf 20 bis 25 Kliniken ausbauen möchte. Und danach wird vermutlich noch lange nicht Schluss sein. Bei Zeit und Gelegenheit dürfte Hubert ins Ausland expandieren. Aus entsprechenden Absichten, allenfalls eine bereits bestehende Klinik-Gruppe zu akquirieren, macht er kein Geheimnis. Bei seinen nationalen und internationalen Projekten wird er von einem einflussreichen Verwaltungsrat unterstützt. Unter anderem gehört dem Gremium nebst dem ehemaligen FDP-Präsidenten Fulvio Pelli neu auch Ex-Bundesrätin Ruth Metzler an.

Kurz: Mit Antoine Hubert ist auch in Zukunft zu rechnen. Dabei geht es ihm nicht nur um die eigene Klinik-Gruppe. Mit viel Engagement setzt er sich beispielsweise dafür ein, das Gesundheitswesen in der Schweiz zu vereinheitlichen – kein leichtes Unterfangen. Erfolgreich dürfte der Welschschweizer primär auf seinem angestammten Gebiet bleiben: Antoine Hubert ist durch und durch Unternehmer. Eine Gattung, von der es im Gesundheitswesen zu wenig gibt.

Christoph Hämmig
Chefredaktor


Heime und Spitäler Ausgabe 3 August 2017