Big Data und futuristische Bauten


Liebe Leserin, lieber Leser

Big Data hat den Gesundheitssektor erreicht. Noch nie gab es so zahlreiche elektronische Möglichkeiten, Daten zu sammeln und auszuwerten. Das eröffnet völlig neue Horizonte, wie die Zukunftsforscher des Gottlieb Duttweiler Instituts in der jüngsten Publikation «Impuls» anschaulich dokumentieren. In nicht allzu ferner Zeit könnte es selbstverständlich werden, dass Patienten mit einem Stoss virtueller Langzeitdaten auf dem Smartphone oder in der Cloud ins Spital kommen. Schon lange gehören Langzeitmessungen zur Standarddiagnostik: Im plan tierte Schrittmacher, EKGs oder Blutdruckmesser sammeln und übermitteln Daten. Mit den neuen mobilen Technologien geht das leichter denn je. «In 20 Jahren lassen sich vermutlich sogar Nanomessgeräte per Spritze injizieren», meint Thomas Lüscher, Chefkardiologe am Universitätsspital Zürich. Dann können Ärzte Patientendaten online tracken und wenn nötig eingreifen. Lüscher ist ferner davon überzeugt, dass langfristig die datenbasierte, virtuelle Medizin kommen wird. Big Data wird entsprechend auch in Heimen und Spitälern eine neue Ära einläuten.

Für die Gesundheitsbranche ist jedoch nicht nur die «Software» wichtig, sondern auch die «Hardware», sprich Immobilien. Die zahlreichen Heimleitungen und Spitaldirektionen, welche ihre Gebäulichkeiten in den nächsten Jahren sanieren, um- oder anbauen werden, stehen vor grossen Herausforderungen. Es braucht einerseits Infrastrukturen, welche den künftigen Bedürfnissen gerecht werden sowie den technologischen/medizinischen Anforderungen entsprechen und andererseits finanzierbar sind. Ist dieser Spagat überhaupt möglich? Gedankenanstösse zu dieser anspruchsvollen Thematik liefert Beat Gafner, Partner von IttenBrechbühl (Seite 8). Das Architekturbüro hat in den letzten 90 Jahren im Schweizer Gesundheitswesen rund 350 Alterszentren und Spitäler geplant und realisiert. Die wichtigsten Faktoren für künftige Projekte: Nebst einer ansprechenden Ästhetik müssen Immobilien primär funktional und in der Grundstruktur so konzipiert sein, dass sie wirtschaftlich geführt werden können. Ebenfalls ganz zentral: Mitarbeitende, Patienten und Bewohner sollen sich in den Räumlichkeiten wohlfühlen.

Ob Big Data oder futuristische Bauten – die wichtigsten Aspekte in Alterszentren und Spitälern lassen sich trotz gigantischer Herausforderungen auf einen einfachen Nenner bringen: Die professionelle medizinische Versorgung sowie die umsichtige pflegerische Betreuung zu konkurrenzfähigen Preisen, bleiben weiterhin die oberste Zielsetzung jeder Institu tion im Gesundheitsbereich.

Christoph Hämmig
Chefredaktor